Kolumne von Thomas Bublitz

Die Patienten stimmen ab

Ein gutes halbes Jahr vor den Bundestagswahlen steht eines schon fest: Die Gesundheitspolitik wird Kernaufgabe der kommenden Legislaturperiode. Nicht allein wegen Corona, aber durch die Pandemie hat der Zustand der Gesundheitsversorgung in Deutschland größte Aufmerksamkeit bekommen.

 

Dass vieles angepackt und geändert werden muss, war Insidern schon lange klar. Aber weite Teile der Bevölkerung hören heute viel genauer hin als bisher, wenn Politiker sich zur Gestaltung unseres Gesundheitssystems äußern. Es ist gut möglich, dass die verschiedenen gesundheitspolitischen Programme der Parteien wahlentscheidend werden. Gerade deshalb ist es für mich erstaunlich, dass immer mehr Politiker immer öfter die Rolle des Staates bei der Gesundheitsversorgung betonen und so tun, als würde mehr Staat mehr Versorgungssicherheit und -gerechtigkeit bedeuten.

Glauben sie wirklich, dass die Wählerinnen und Wähler nicht durchschaut haben, dass der Staat allein überfordert wäre? Die Krise hat uns allen doch mehr als deutlich gezeigt, dass privates Engagement, innovatives Unternehmertum und flexible Gestaltungsspielräume besser funktionieren als zentralistisch gelenkte Systeme. Patientinnen und Patienten sind jedenfalls gut informiert über unser Gesundheitswesen und vor allem besser, als es die Politik offenbar vermutet. Eine kürzlich vom BDPK beauftragte und veröffentlichte Forsa-Bevölkerungsumfrage zeigt: Die Deutschen haben klare Vorstellungen von der Struktur der Versorgungslandschaft. Fast allen ist die Wahlfreiheit zwischen Krankenhäusern wichtig, medizinische Qualität und Spezialisierung sind für sie die ausschlaggebenden Entscheidungskriterien, Wohnortnähe oder Größe des Krankenhauses spielen dagegen eine untergeordnete Rolle.

Besonders bemerkenswert ist aus meiner Sicht, dass den Befragten zwar die Trägerschaft des Krankenhauses völlig egal ist, die Privaten aber die Bestnote in der Zufriedenheitsbewertung bekommen – eine deutliche Absage an die Staatsmedizin und das beste Argument für Trägerpluralität und Wettbewerb. Die Politik ist gut beraten, wenn sie die Patientenwünsche ernst nimmt. Nicht nur weil damit die Wahlchancen steigen, sondern vor allem weil mehr Patientenorientierung der Schlüssel dafür ist, Strukturen, Prozesse und Ergebnisse unseres Gesundheitssystems zu verbessern und zu stabilisieren. Nachzulesen ist dies übrigens auch in den gesundheitspolitischen Positionen des BDPK, die im April veröffentlicht werden. Sie sind dann aktuell auf der Webseite des BDPK zu finden, genauso wie jetzt schon die Forsa-Umfrage