Kolumne Thomas Bublitz: „Umparken im Kopf“

Diesen Werbeslogan vom Autobauer Opel hat Joachim Gemmel, CEO der Asklepios Kliniken, gerade in den Fachmedien wieder zum Leben erweckt. Aus meiner Sicht passt er perfekt in diese Zeit. Die angespannte Finanzlage der Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung führt zu inbrünstigen Diskussionen der Frage, was nun geschehen muss. Häufig laufen diese Debatten nach dem Sankt- Florian-Prinzip: „Heiliger Sankt Florian, verschon’ mein Haus, zünd’ andre an!“ Den Auftakt machte jüngst KBV-Chef Dr. Andreas Gassen mit dem Vorschlag, Mutter/Vater-Kind-Kuren aus dem Leistungskatalog der GKV zu streichen. Damit entstünden wohl „by the way“ auch finanzielle Spielräume für die Entbudgetierung der Fachärzte. Inhaltlich bewertet: Gerade junge Familien brauchen häufig Unterstützung und Hilfe für eine gesundheitsorientierte Lebensführung und gute Eltern-Kind-Interaktion. Das ist heute alles andere als selbstverständlich. Angesichts dieser Entwicklung wächst heute eine Generation mit ungesunder Lebensführung heran, da Vertragsärzte Gesundheitsbildung und -erziehung vielfach nicht mehr in ihren Praxisalltag integrieren können.

Auch die Krankenkassen haben Ideen, wie gespart werden soll: vom Ausgabenmoratorium bis hin zur staatlich verordneten Preissenkung bei Arzneimitteln und Krankenhausleistungen zur Schließung von Krankenhausstandorten. Bei der Zahl der Krankenkassen als auch bei der Höhe der Verwaltungskosten sehen sie keinen Handlungsbedarf. Das regele alles der Markt, so Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzen- der des GKV-Spitzenverbandes. So könnte ich weiter aus dem gesundheitspolitischen Berlin berichten. Bringt aber außer Frust nichts.

Wäre es nicht an der Zeit, die Frage zu stellen, wie unser Gesundheitssystem eigentlich in zehn Jahren aussehen soll? Wollen wir beispielsweise weg vom Reparaturbetrieb, der nur die Behandlung von Krankheiten belohnt, hin zu einer Gesundheitsversorgung, bei der die Leistungserbringer Interesse an echter Prävention und Gesundheitsvorsorge haben? Gesundheitsregionen mit regionalen Budgets, die eigenverantwortlich klären, wie die Versorgung geregelt werden soll. Internationale Erfahrungen gibt es zur genüge, genau wie Konzepte zur Übertragung auf Deutschland. Zur Lektüre empfehle ich die Websites der Rhön-Stiftung und des BDPK. Die Debatte hierüber wäre so viel sinnvoller als der Versuch der zentralistischen Steuerung unserer Gesundheitsversorgung über das KHVVG und das KHAG oder Sparvorschläge nach dem Sankt-Florian-Prinzip.