Neu im Vorstand
Gestaltungsspielräume nutzen
Dr. Quirin Schlott, Geschäftsführer der Waldburg-Zeil Kliniken, und Freddy Eppacher, Chief Operating Officer (COO), Chief Technology Officer (CTO) sowie Mitglied des Vorstandes der AMEOS Gruppe, wurden zum 1. September 2026 vom BDPK-Vorstand als neue Vorstandsmitglieder kooptiert. Wir haben sie gefragt, vor welchen Herausforderungen Kliniken in privater Trägerschaft aktuell stehen.
Freddy Eppacher: Krankenhäuser aller Trägerschaften stehen vor einem weiteren tiefgreifenden Wandel. Nur ein sehr kleiner Teil der Einrichtungen bewertet die eigene wirtschaftliche Situation als gut, rund zwei Drittel der Krankenhäuser schreiben Verluste. Steigende Personal-, Energie- und Sachkosten treffen auf eine Vergütung, die mit der tatsächlichen Kostenentwicklung seit Jahren nicht Schritt hält. Das verabschiedete GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz wird diese Entwicklung noch deutlich verschärfen. Gleichzeitig sollen und wollen wir in Qualität, moderne Medizin, Infrastruktur und Reformen investieren und diese vorantreiben. Unsere zentrale Aufgabe ist, heute Stabilität zu sichern und gleichzeitig die Versorgung von morgen zu gestalten. Die Krankenhausreform wird die Versorgungslandschaft verändern. Krankenhäuser in privater Trägerschaft bekennen sich seit Langem zu den Kernzielen der Reform, die Spezialisierung im stationären Sektor voranzutreiben und so die Versorgungsqualität zu steigern.
Private Krankenhäuser stehen seit Jahren für die erfolgreiche Umsetzung dieser Prinzipien. Wir sehen darin die Chance, Kompetenzen zu bündeln, Kooperationen zu stärken und Versorgung über einzelne Standorte hinaus zu denken. Dafür braucht es aber verlässliche Rahmenbedingungen und Übergangsfristen für die Umsetzung.
Krankenhäuser in privater Trägerschaft sind Innovationstreiber. Um Potenziale aus Digitalisierung und KI zu heben und hierdurch zu entlasten, Qualität zu verbessern und Versorgung effizienter zu machen, bedarf es einer massiven Deregulierungsinitiative.
Cybersicherheit stellt ebenfalls eine wesentliche Herausforderung für Krankenhäuser dar. Gezielte Förderprogramme in digitale Souveränität und Cybersicherheit sind daher unerlässlich.
Zur Bewältigung der Herausforderungen benötigen Krankenhäuser vor allem eines: verlässliche politische und finanzielle Rahmenbedingungen, die Veränderung und Deregulierung ermöglichen, Investitionen in Digitalisierung und Sicherheit unterstützen und Versorgung nachhaltig sichern!
Dr. Quirin Schlott: Die Reha-Branche steht vor erheblichen Herausforderungen. Steigende Kosten, begrenzte Vergütungsspielräume, Bürokratie, Demografie, medizinischer Fortschritt und Fachkräftemangel setzen Unternehmen unter Druck. Für private Reha-Kliniken ist zudem die Notwendigkeit, dauerhaft wirtschaftlich zu arbeiten, gesetzt. Defizite können nicht durch die öffentliche Hand ausgeglichen werden.
Diese Herausforderungen sind kein Alleinstellungsmerkmal der Rehabilitation, obgleich hier durch Regulierung stärker in die unternehmerische Handlungsfreiheit eingegriffen wird: Jede Branche hat Chancen und Risiken. Entscheidend ist, wie wir als Verantwortliche damit umgehen. Natürlich müssen wir gegenüber Politik und Kostenträgern auf notwendige Veränderungen der Rahmenbedingungen hinweisen. Gleichzeitig können wir nicht auf positive Veränderungen warten. Wir müssen unter den Gegebenheiten arbeiten – flexibel und lösungsorientiert.
Daher ist es unsere Aufgabe als Unternehmer und Führungskräfte, die vorhandenen Gestaltungsspielräume zu erkennen und zu nutzen. Und diese gibt es: Der demografische Wandel beispielsweise schafft neue Bedarfe, etwa in Geriatrie und Neurologie.
Medizinischer Fortschritt verändert Behandlungspfade und eröffnet neue Versorgungsangebote. Digitalisierung und KI können Prozesse verbessern und Mitarbeiter entlasten. Auch Kommunikationswege und -bedürfnisse verändern sich – gegenüber Patienten, Mitarbeitern und Partnern.
Zugleich müssen wir Wissen zwischen Generationen sichern und Arbeit neu organisieren. Als privater Träger ist es uns zudem möglich, schnelle Entscheidungen ohne langwierige Abstimmungen in Gremien zu treffen. Auch dies gilt es zum Vorteil zu nutzen.