Kolumne Thomas Bublitz
Raus aus der ideologischen Wagenburg
Die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern legen schonungslos offen, dass eine deutliche Mehrheit die Politik der Bundesrepublik Deutschland skeptisch sieht. Zu viele politische Versprechungen werden gegeben – und später gebrochen. Das untergräbt das Vertrauen in die Politik und schwächt unsere Demokratie. Zugleich entsteht der Eindruck, dass politische Entscheidungen die Lebensrealität der Menschen nicht spürbar verbessern. Dazu kommen das Gefühl, dass sich Arbeit kaum noch lohnt und ein Leben mit staatlicher Unterstützung deutlich einfacher wäre, sowie die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Vielleicht fehlt den Bürgerinnen und Bürgern eine mittel- bis langfristige politische Strategie zur Orientierung.
Handlungsbedarf gibt es auch hinsichtlich der Gesundheitsversorgung: steigende Beiträge und monatelanges Warten auf Arzttermine, vor allem in ländlichen Regionen, Überfüllung der Notfallambulanzen außerhalb der regulären Praxiszeiten und eine überbordende Bürokratie, die die Mitarbeitenden in Praxen und Kliniken sowie die Patienten gleichermaßen frustriert.
Die Bundesregierung muss liefern, wenn sie die Republik nicht komplett an die AfD verlieren möchte. Nicht nur die Politik trägt Verantwortung, auch wir als Entscheider im Gesundheitswesen können dazu beitragen, dass die Gesundheitsversorgung für die Menschen besser und weniger bürokratisch wird. Hier meine Hitliste von Veränderungen mit Potenzial zur spürbaren Verbesserung der Gesundheitsversorgung:
- Weg mit den Personalvorgaben für Kliniken und Pflegeheime. Stattdessen Kontrolle der Ergebnisqualität und der Patientenzufriedenheit.
- Streichung des Pflegebudgets und Rückführung der Kosten in die DRG-Fallpauschalen.
- Streichung der bürokratischen und wenig sinnvollen Vorhaltefinanzierung.
- Erstellung von Behandlungspfaden für Menschen mit schweren Erkrankungen wie zum Beispiel Krebserkrankungen, Schlaganfälle, Polytraumen, um die Patienten ohne Antragsbürokratie schnell, zielgerichtet und qualitätsgesichert durch das Gesundheitssystem zu lotsen.
- Die leistungsgerechte Vergütung der Behandlung in Notfallambulanzen mit einem Anreiz zu möglichst kurzen Wartezeiten für die Patienten.
Der Effekt wäre eine deutlich entbürokratisierte, verständlichere und kostengünstigere Gesundheitsversorgung. Einer zielgerichteten Debatte über die Frage, was wir alle tun können, um unser Gesundheitswesen besser zu machen, sollten sich alle Funktionäre mit Blick auf das große Ganze stellen. Auch wir tragen Verantwortung dafür, dass unser Staat wieder besser funktioniert. Dafür müssen wir raus aus unseren ideologischen Wagenburgen!