Das Patientenwohl steht im Mitelpunkt

Effizienz fördern

Der Verband privater Klinikträger in Baden-Württemberg e. V. (VPKA) hat einen neuen Geschäftsführer. Dr. Christoph Renz hat die Geschäftsstelle zu Jahresbeginn von Dr. Clemens Bold übernommen. Im Interview erzählt er über drängende gesundheitspolitische Handlungsfelder.

Welche strategischen Schwerpunkte möchten Sie als neuer Geschäftsführer des Verbands privater Klinikträger in Baden-Württemberg e. V. setzen, insbesondere vor dem Hintergrund der Krankenhausreform und der veränderten Rahmenbedingungen für Reha-Kliniken im Bereich der Deutschen Rentenversicherung (DRV) und im Bereich der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)?

Wir müssen als VPKA in allen relevanten gesundheitspolitischen Fragen gehört werden und mitgestalten. Für Akutkrankenhäuser fordern wir Planungssicherheit. Das Sozialministerium muss sicherstellen, dass alle Trägergruppen – öffentliche, freigemeinnützige und private – insbesondere bei der Umsetzung der Leistungsgruppenplanung von Beginn an gleichberechtigt, transparent und auf Augenhöhe in alle Entscheidungs- und Abstimmungsprozesse eingebunden sind. Für die Reha-Einrichtungen ist die leistungsgerechte Vergütung das zentrale Thema: Im DRV-Bereich besteht angesichts der neuen Basissätze die Sorge, dass Einheitspreise zu einem Qualitätsverlust führen. Daher wollen wir, dass im neuen DRV-Vergütungssystem eine Qualitätskomponente implementiert wird: Wer nachweislich eine überdurchschnittliche Ergebnisqualität erzielt, muss einen entsprechenden Vergütungszuschlag erhalten. Im GKV-Bereich sehen wir mit Sorge, dass die Krankenkassen die Lohnkostensteigerungen nicht wie gesetzlich vorgesehen, refinanzieren und den Einrichtungen eine Verhandlung nach dem Kalkulationsschema des Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetzes, kurz IPReG, verweigern. Diese Themen werden wir gegenüber den Kostenträgern ansprechen.

Welche gesundheitspolitischen Maßnahmen sind aus Ihrer Sicht notwendig, um eine nachhaltige Gesundheitsversorgung sicherzustellen?

Eine nachhaltige Gesundheitsversorgung muss ökologische, ökonomische und soziale Fragen miteinander in Einklang bringen: Aus ökologischer Sicht halte ich gezielte finanzielle Anreize für die Einrichtungen zur Senkung von CO₂-Emissionen für wirkungsvoller als etwa Nachhaltigkeitsberichte. Zur Förderung der ökonomischen Nachhaltigkeit müssen als Erstes bürokratische Vorgaben wie Personaluntergrenzen kritisch überprüft werden und effiziente Strukturen gefördert werden. Außerdem sollte Prävention und Rehabilitation ein deutlich höherer Stellenwert eingeräumt werden, da sich durch gezielte Vorsorge und Nachsorge langfristig Kosten senken lassen und Menschen erwerbsfähig und unabhängig von Pflege bleiben. Sozial nachhaltig bleibt unser Gesundheitssystem nur, wenn das Patientenwohl im Mittelpunkt aller Reformen steht. Entscheidend ist dabei, Strukturen und Prozesse so zu gestalten, dass eine bestmögliche Versorgung für alle sichergestellt wird. Nur so kann das Vertrauen in das Gesundheitssystem erhalten und gestärkt werden. Dazu gehört auch, die Mitarbeitenden konsequent von bürokratischen Aufgaben zu entlasten, damit ihnen mehr Zeit und Energie für die direkte Patientenversorgung zur Verfügung steht, was am Ende allen hilft.

Welche Rolle sehen Sie für private Klinikträger bei der Sicherstellung einer flächendeckenden und qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung im Land Baden-Württemberg?

Private Klinikträger können als Vorbilder dienen: Beispielsweise zeigen private Fachkrankenhäuser, wie sich Einrichtungen auf wenige Leistungsgruppen spezialisieren können und so als Blaupause für die künftige Krankenhauslandschaft dienen können. Private Krankenhäuser zeigen auch, dass effiziente und ergebnisorientierte Strukturen oft wirkungsvoller sind als starre Vorgaben und damit eine hochwertige Patientenversorgung sichern. Die Bedeutung der privaten Reha- und Vorsorgeeinrichtungen ist offensichtlich. Ohne diese wäre eine flächendeckende Versorgung undenkbar. Deshalb müssen die Kostenträger ein Interesse am nachhaltigen Erhalt der Reha-Landschaft haben, nicht nur in Baden-Württemberg.