Integration ausländischer Fachkräfte

Eigeninitiative ist gefragt

Im Mai berichteten wir über die Herausforderungen der Akquise und Integration ausländischer Pflegefachkräfte aus Sicht des Integrationsbeauftragten bei der Vamed Gesundheit Deutschland. Teil zwei richtet den Blick auf die Integrationsarbeit in einer Klinik.

Gibt es wiederkehrende Herausforderungen, die die Integration ausländischer Pflegefachkräfte mit sich bringt?

Verena Hitzl (VH): Man muss zwischen fachlicher, sprachlicher und kultureller Ebene unterscheiden. In den meisten Ländern hat die Pflegeausbildung andere Schwer- punkte als in Deutschland. Oft ist sie sehr wissenschaftlich ausgerichtet und beinhaltet kaum praktische Ausbildung am Patienten. Die praktische Erfahrung besteht oft vor allem im medizinischen Bereich, weniger in der klassischen pflegerischen Versorgung. Diese muss den neuen Pflegekräften dann erst vermittelt werden, was zu Unmut auf den Stationen führen kann, weil die Erwartung an die neuen Kollegen nicht erfüllt werden. Auch medizinische Begrifflichkeiten müssen erst erlernt werden, etwa beim Medikamentenmanagement. Gleichzeitig kann das akademische Fachwissen die internen Qualitätsstandards bereichern.

Welche Erfahrungen haben Sie mit den Deutschkenntnissen der ausländischen Mitarbeiter gemacht?

VH: Das Sprachniveau entspricht leider nicht immer dem angegebenen Zertifikat. Oftmals werden Mitarbeiter mit einen Sprachzertifikat auf B2-Niveau eingestellt, bei denen das tatsächlich gesprochene Deutsch dann aber nicht einmal B1-Niveau erreicht. Ein Grund hierfür ist der langwierige Einreiseprozess. Zwischen dem Sprachkurs im Heimatland bis zur Einreise nach Deutschland vergeht zu viel Zeit, in der das Gelernte schlichtweg wieder vergessen wird.

Tina Roelandt (TR): Wir unterstützen die ausländischen Mitarbeitenden so gut es geht. Bei den Gruppen, die wir in der Einarbeitung betreuen, nutzen wir ein Bilderwörterbuch. Sehr wichtige Sachverhalte lassen wir diese per App in die Muttersprache übersetzen und dann von den Mitarbeitern auf Deutsch wiedergeben. Inzwischen haben wir die Pflegepläne für die Dokumentation in mehrere Sprachen wie Ungarisch, Portugiesisch oder Türkisch übersetzt. Letztlich kommt es aber auf die Eigeninitiative und das Engagement der neuen Kolleginnen und Kollegen an.

Wie zeigen sich kulturelle Unterschiede?

TR: Als Beispiel fällt mir ein, dass asiatische Mitarbeiter es meist nicht gewohnt sind, mit Kritik offen umzugehen oder Probleme zuzugeben. Bei anderen Kulturen spielen Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Mitarbeitenden oder die Akzeptanz weiblicher Führung eine Rolle. Der Mitarbeiter muss sich dann einfach daran gewöhnen, dass auch Frauen Weisungsbefugnis haben.

Was kann die Klinikleitung tun, damit die Integration gelingt?

TR: Es muss allen Beteiligten klar sein, dass reine Akquise nicht ausreicht. Es braucht ein hohes Maß an Investitionen in Integration und Inklusion.

VH: Ohne ausländische Fachkräfte wäre der Pflegepersonalmangel noch gravierender. Die Auslandsakquise ist unverzichtbar. Unsere Erfahrungen sind überwiegend positiv. Und: Durch kleine Stolpersteine lernt man dazu.

Das Interview führte Sabine Stodal i. A. des VPKA Bayern e.V