Pflegeausbildung

Fachkräfte sichern die Versorgung

Ralf Hackbarth ist seit Oktober 2024 Geschäftsführer des Medical Park Berlin  Humboldtmühle. Im Interview erzählt er, warum es dringend notwendig sei, auch Reha-Einrichtungen als Träger der Pflegeausbildung zuzulassen.

Herr Hackbarth, können Sie uns etwas zu Ihrem beruflichen Werdegang sagen?

Bevor ich Geschäftsführer wurde, habe ich bereits seit 2019 die Rolle des Pflegedirektors innerhalb der Klinikleitung des Medical Park Berlin Humboldtmühle übernommen. In der Pflege liegt auch der Ursprung meiner Karriere, ich habe lange selbst als Gesundheits- und Krankenpfleger und Praxisanleiter gearbeitet.

Wie sieht die Ausbildungslandschaft in Ihrer Einrichtung aktuell aus? Welche Berufsbilder bilden Sie aus – und in welchem Umfang?

Wir bieten bereits in Kooperation mit verschiedenen Schulen die Ausbildung in den Therapieberufen wie Ergo- und Physiotherapie sowie Logopädie an. Derzeit betreuen wir Auszubildende in den Bereichen Pflege sowie Physiotherapie. Die aktuell nur kurzen praktischen Einsätze von Pflegeauszubildenden werden der Zukunftssicherung der Pflege nicht gerecht. Es braucht die Möglichkeit der vollwertigen Ausbildung in allen Versorgungsbereichen – auch in der Reha. Denn die Ausbildung stärkt langfristig die Fachkräftebindung und sichert die Versorgung.

Warum sind Reha-Einrichtungen nicht schon längst Träger der Pflegeausbildung?

Eine Ursache ist vermutlich das bekannte Vorurteil, die Reha biete zu wenig „akute“ Pflegeerfahrung und sei pflegerisch weniger komplex oder herausfordernd. Dies hat zur Folge, dass die Reha als möglicher Arbeitgeber in den Köpfen vieler Menschen nicht mitgedacht wird.  Natürlich unterscheidet sich die Arbeit verglichen mit der Arbeit auf einer Intensivstation, aber pflegerische Kompetenz zeigt sich nicht nur im Umgang mit Notfällen. Die Patientenbeobachtung und das damit verbundene Erkennen schleichender Veränderungen, aber auch das Planen individueller Maßnahmen sowie die Anleitung von Patient:innenin ihrer Selbstpflege sind essenziell – und das kann man in der Reha hervorragend lernen. Kooperationen mit Akuthäusern können etwaige Erfahrungsbereiche ergänzen, das ist bei anderen Ausbildungsträgern bereits etabliert.

Was zeichnet Reha-Einrichtungen Ihrer Meinung nach besonders für die Pflegeausbildung aus?

Die Rehabilitation ist ein zentraler Bestandteil des Gesundheitswesens und ein wichtiger Teil der Versorgungskette. Sie bietet ein breites Spektrum pflegerischer Tätigkeiten. Die Pflege von Patient:innen mit komplexen Krankheitsbildern und verschiedenen Pflegegraden ist auch nach der Akutphase anspruchsvoll.

Auch bleiben Patient:innen oft mehrere Wochen, was eine andere pflegerische Beziehung und Betreuung ermöglicht. Das schafft Kontinuität im Umgang mit Patient:innen und bei der Pflegeplanung. Der Fokus in der Reha liegt viel stärker auf der Ressourcenförderung, dem Erreichen der Langzeitziele sowie der Zurückerlangung der Selbstständigkeit für Patient:innen – das verlangt planvolles, individuelles Pflegehandeln. In der Reha werden die Patient:innen mit ganzheitlichem Blick betrachtet und nicht auf ihre Symptome reduziert. Außerdem bietet die Reha eine ausgezeichnete Möglichkeit zur interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Pflege, Therapie, Ärzt:innen und Sozialdienst, was eine ideale Lernumgebung schafft.

Welche Perspektive sehen Sie für die Pflegeausbildung in der Reha?

Die Reha ist essenziell für die Ausbildung in der Pflege und muss neben Akuthäusern und Altenpflegeeinrichtungen gleichwertig als selbstverständlicher Ausbildungsort anerkannt werden – ohne Wenn und Aber. Nur so kann auch in Zukunft eine hochwertige medizinische Versorgung gewährleistet werden. Die Einbindung der Reha als Ausbildungsanbieter ist unerlässlich. Bereits im Koalitionsvertrag 2021 hat die vorherige Bundesregierung diese Maßnahme vorgesehen, und die neue Bundesregierung ist aufgefordert, sie umgehend umzusetzen.

Das Interview führte Anu Wank, Referentin VPK BB, E-Mail: wank@vpkbb.de