Statements aus dem BDPK-Vorstand

Mehr Spezialisierung

Welchen Herausforderungen müssen sich Fachkrankenhäuser künftig stellen? Wir haben BDPK-Präsident Dr. Hans-Heinrich Aldag, Geschäftsführer der Waldklinik Jesteburg GmbH & Co. KG und BDPK-Vorstandsmitglied Heiko Stegelitz, Geschäftsführer Parkinson-Klinik Ortenau dazu befragt.

Welche Rolle spielt Ihr Fachkrankenhaus bei der Versorgung der Patient:Innen in Ihrer Region?

Dr. Hans-Heinrich Aldag: Im Fachkrankenhausbereich der Neurologischen Frührehabilitation (NFR) der Waldklinik Jesteburg werden Patienten mit schwersten Beeinträchtigungen des Nervensystems behandelt. Die NFR spielt eine zentrale Rolle für die Weiterversorgung von Patienten vor allem aus akutmedizinischen Intensivstationen und Stroke Units, die hier von Beginn an zugleich akut- und rehabilitationsmedizinisch zu behandeln sind. Mit ihren 75 Krankenhausbetten und dort 600 behandelten Patientinnen und Patienten besonders aus dem nördlichen Niedersachsen und angrenzenden Bundesländern gehört die Waldklinik zu den großen Anbietern der NFR in Niedersachsen. Die NFR (Phase B) stellt bei uns nur den Eingangsbereich eines sektorübergreifenden, komplexen Konzeptes, vom Krankenhausbereich bis zu den Rehabilitationsphasen C und D unter durchgängiger therapeutischer Führung in einem Haus dar.

Heiko Stegelitz: Als Fachkrankenhaus mit überregionalem Einzugsgebiet ist unsere Rolle eher als untergeordnet zu betrachten. 95 Prozent unserer Patientinnen und Patienten kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, viele vorzugsweise aus Baden-Württemberg und den angrenzenden Bundesländern. Durch unsere Spezialisierung auf die Behandlung von Parkinson-Kranken sind wir das einzige Fachkrankenhaus in Baden-Württemberg und daher spielt der Landkreis bzw. die Region Baden eher eine nachrangige Rolle in der Versorgung unserer Patienten.

Welche Erwartungen ergeben sich daraus für Sie bei der Definition der Fachkrankenhäuser im KHAG?

Dr. Hans-Heinrich Aldag: In Fachkrankenhäusern, wie der Waldklinik, wird genau das gemacht, was die Krankenhausreform im Wesentlichen erreichen soll. Mehr Spezialisierung, dadurch mehr Qualität – und das zumeist kostengünstiger als bei vielen großen Allgemeinversorgern oder Unikliniken. Damit sie das können, müssen Fachkrankenhäuser die Möglichkeit haben, sich primär auf ihre Leistungsgruppen zu konzentrieren. Die dazu aus im Kabinettsentwurf des KHAG zu entnehmenden Handlungsspielräume stimmen mich vorsichtig optimistisch: Weder „verwandte Leistungsgruppen“, insbesondere Intensivmedizin, noch die Vorgaben zur sachlichen Ausstattung, hier z.B. CT oder MRT, müssen zwingend mehr „am Standort“ erbracht werden, sondern könnten in Kooperationen mit anderen Leistungserbringern durchgeführt werden, was der bisherigen Praxis vieler Fachkrankenhäuser entspricht. Die dafür erforderliche Zuordnung zum „Level F“ soll am Ende die für die Krankenhausplanung zuständige Landesbehörde treffen, auch dies ein Beitrag, die bundeszentralistischen Regelungen des Vorgängergesetzes an länderspezifische Erfordernisse anzupassen.

Heiko Stegelitz: Das KHAG weist einige Verbesserungen auf, wie z. B. die Verwendung von sachlicher Ausstattung in Kooperation. Gerade die Bildgebung in Form von CT und MRT ist für uns essenziell, aber das wäre für ein kleines Haus wie unseres mit 72 Betten finanziell nicht darstellbar. So können wir in Kooperation mit benachbarten Häusern diese Bildgebung durchführen und tragen somit dazu bei, dass diese Geräte besser ausgelastet und dadurch wirtschaftlicher betrieben werden können. Die Nutzung von Synergien war ein großes Anliegen der aktuellen Sozialpolitik in Baden-Württemberg, der wir hiermit weiter nachkommen können.

Wichtig ist am Ende, dass es die Bundesländer sind, die im Rahmen der Krankenhausplanung entscheiden, welche Strukturvorgaben für die Fachkrankenhäuser Anwendung finden. Nur so kann der länderspezifische Versorgungsbedarf berücksichtigt und eine qualitativ hochwertige, spezialisierte Versorgung gewährleistet werden.