BDPK-Bundeskongress 13. Juni 2018 in Berlin

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Mit klaren Forderungen eröffnete BDPK-Präsidentin Dr. Katharina Nebel den Branchentreff des Verbandes am 13. Juni 2018 in Berlin. Den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) forderte Nebel auf, das Sofortprogramm Pflege sinnvoll zu ergänzen. Der Fixkostendegressionsabschlag soll gestrichen, der Zugang zu Leistungen der medizinischen Reha verbessert und der Pflegezuschlag auch für Reha-Kliniken gezahlt werden.

Als wichtiges Leistungsmerkmal der deutschen Kliniklandschaft befürwortete der als Ehrengast geladene Jens Spahn in seiner Rede die Trägervielfalt und die Stärken eines wettbewerblich orientierten Gesundheitssystems für eine qualitativ hochwertige medizinische und pflegerische Versorgung der Patienten. Die innovative Kraft privater Klinikträger würde „zu oft verschrien“. Weiter ging Spahn auf die geplanten Pflegeinitiativen der Bundesregierung und die gesundheitspolitischen Schwerpunkte ein wie die sektorenübergreifende Versorgung und Maßnahmen zur Verbesserung der digitalen Infrastruktur.

In der anschließenden Diskussion betonten die BDPK-Präsidentin Dr. Katharina Nebel und BDPK- Hauptgeschäftsführer Thomas Bublitz, bei der Verbesserung der Situation der Pflege dürfen Reha-Kliniken nicht vergessen werden. Gezielte Förderprogramme in Krankenhäusern und Pflegeheimen würden ansonsten zu einem massiven Abwerben der Pflegekräfte aus Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation führen. Rehabilitationseinrichtungen müssen die steigenden Tariflöhne refinanzieren können. Deshalb muss die Geltung der Grundlohnrate für Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation in § 111 SGB V explizit außer Kraft gesetzt werden. Gesundheitsminister Spahn erklärte seine Bereitschaft, sich in der laufenden Amtszeit einer Reform für bessere Rahmenbedingungen des Reha-Bereichs zu widmen.

Die aktuellen Herausforderungen für das deutsche Gesundheitswesen stellte Prof. Dr. Boris Augurzky, Leiter des Kompetenzbereichs Gesundheit beim RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Aufgrund der demografischen Entwicklung spielt unternehmerisches Handeln und damit einhergehend der effiziente Umgang mit begrenzten Ressourcen für eine gesamtgesellschaftlich finanzierbar bleibende Gesundheitsversorgung künftig eine immer größere Rolle. Als Autor des neuaufgelegten Faktenbuchs „Krankenhäuser in privater Trägerschaft 2018“ beim RWI betonte Augurzky, dass private Kliniken wirtschaftlich besser abschneiden als öffentlich-rechtliche und freigemeinnützige Krankenhäuser. Bei der Zufriedenheit der Patienten wurden keine signifikanten trägerspezifischen Unterschiede festgestellt.

Einen praxisnahen Einblick in das staatlich regulierte dänische Gesundheitssystem und den laufenden Reformprozess der dänischen Krankenhäuser gab Matthias Kretzler, Seniorberater für Gesundheitspolitik an der Dänischen Botschaft in Berlin. Zu den Reformergebnissen gehören neben einer starken Zentralisierung und Spezialisierung die Schließung vieler kleiner und mittelgroßer Krankenhäuser. Diese Reform verlief nicht ohne Kritik in der Bevölkerung, bei Hausärzten und Krankenhausbeschäftigten. Einher ging diese Entwicklung mit einem Masterplan zur Digitalisierung des Gesundheitsbereichs sowie einem engen Zusammenwirken zwischen ambulanter und stationärer Versorgung.

Eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung hat im finnischen Gesundheitssystem oberste Priorität und nicht die schnelle Erreichbarkeit von Akutkrankenhäusern, betonte Dr. Uwe Preusker und lenkte den Blick der Kongressteilnehmer in eines der flächenmäßig größten europäischen Länder. Der Publizist und Herausgeber von „Klinik Markt inside“, der seinen Lebensmittelpunkt in Helsinki hat, sprach über die in Finnland voranschreitende Spezialisierung von Krankenhäusern, das interdisziplinäre Zusammenwirken medizinischer Fachkräfte an den Übergängen von der stationärer zu ambulanter Versorgung und den selbstverständlichen Einsatz von Telemedizin und digitalem Fortschritt.

Das französische Gesundheitssystem sucht genau wie Deutschland sinnvolle Lösungen für eine sektorenübergreifende Versorgung chronisch kranker Menschen. Bislang sei dies nur punktuell gelungen, beispielsweise mit französischen Disease Management Programmen und einer Art Innovationsfonds für neue Versorgungsangebote mit qualitativ hohen medizinischen Routinen, berichtete Dr. Gilles Hebbrecht aus dem Ministerium für Soziale Angelegenheiten und Gesundheit in Frankreich.

Eine enge Verzahnung zwischen ambulanten und stationären Leistungserbringern ist in der medizinischen Versorgung in Spanien selbstverständlich, betonte Dr. Mate Ivancic, Geschäftsführer der Region Mitte-Nord und Mitglied der erweiterten Geschäftsführung der Helios Kliniken GmbH. Kürzere Krankenhausverweildauer, geringe Wartezeiten und ein verstärkter Einsatz von medizinischen Apps gehören zum Erfolgsrezept privater Kliniken in Spanien.

Anders als in Deutschland wird in der Schweiz rechtlich nicht zwischen Akutkrankenhäusern und Rehabilitationskliniken unterschieden, erklärte Dr. Willy Oggier, Geschäftsführer der Gesundheitsökonomischen Beratungen AG in der Schweiz. Dementsprechend werden Reha-Patienten genau wie Krankenhaus-Patienten eingewiesen, ohne dass es einer Genehmigung durch die Krankenhäuser bedarf. Auch ist die Vergütung der Leistungserbringer nicht reglementiert wie im deutschen Versorgungssystem.

In Österreich unterliegt die medizinische Rehabilitation, im Gegensatz zu Deutschland, der Bedarfsplanung. Dadurch können sich die Kliniken auf faire Belegungsverfahren verlassen. Das derzeit in der Umsetzung befindliche Ausschreibungsverfahren für Leistungen der Rehabilitation sorge nicht für Unruhe bei den Kliniken, so Mag. Stefan Günther, Generalsekretär des Verbandes der Privatkrankenanstalten Österreich, der in seinem Vortrag Erfahrungen mit dem Reha-Ausschreibungsverfahren in Österreich schilderte.


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