Personalbemessung und Fachkräftemangel

I. Pflege stärken

Die Personalsituation in der Pflege ist besorgniserregend. Vier von fünf Krankenhäusern haben Probleme, offene Pflegestellen auf ihren Allgemein- und Intensivstationen zu besetzen. Bundesweit sind rund 22.300 Pflegestellen vakant. Seit 2016 hat sich die Zahl damit verdreifacht. Der Fachkräftemangel führt zu einer hohen Belastung des vorhandenen Personals, was mit dazu beiträgt, dass der Pflegeberuf unattraktiv wirkt. Gleiche Wirkung haben auch patientenferne Tätigkeiten und die vorhandenen aufwändigen Nachweis- und Bürokratiepflichten.

Der BDPK schlägt deshalb vor:

  • Die Attraktivität des Pflegeberufs zu stärken, um Berufsanfänger und Rückkehrer für den Pflegeberuf zu gewinnen
  • Ein funktionelles Pflegeverständnis anzuwenden, das sich an den Bedürfnissen der Patient:innen ausrichtet (Qualifikationsmix)
  • Die Personalverantwortung zurück an die Kliniken geben

II. Pflegepersonaluntergrenzen

Nach dem Koalitionsvertrag soll noch in diesem Jahr „übergangsweise“ die von der Deutschen Krankenhausgesellschaft, dem Deutschen Pflegerat und der Gewerkschaft Verdi entwickelte Pflege-Personalregelung (PPR 2.0) angewendet werden. Ob die Regelung die mit ihr verbundenen Erwartungen erfüllt, hängt von mehreren Faktoren ab. Aus Sicht des BDPK gilt auch für Personalvorgaben: Die Ergebnisqualität ist entscheidend. Zentrale Fragen sind: Was bedeutet die PPR 2.0 für das Pflegebudget und den Pflegepersonalquotienten? Was wird aus den Pflegepersonaluntergrenzen?

Grundsätzlich gilt: Es macht keinen Sinn hochaufwendige Instrumente nebeneinander zu betreiben. Das gilt insbesondere für die Pflegepersonaluntergrenzen, die mit Einführung der PPR 2.0 wegfallen müssen. Daran zeigt sich, dass es nicht nur um „Nebenwirkungen“ geht. Vielmehr entscheidet die Abstimmung aller Instrumente darüber, ob es mit der PPR 2.0 tatsächlich gelingen kann, die Pflege zu verbessern. Wenn die PPR 2.0 letztlich nur einen Personalbedarf ermittelt, der aber nicht gedeckt werden kann, führt dies zu Enttäuschung und Systemverdrossenheit – nicht nur bei den Pflegekräften. Die Definition von Personalbedarfen („Examinierte Pflege und Pflegehilfskräfte pro Krankenhaus“) wird den Fachkräftemangel jedenfalls nicht lösen, denn allein dadurch gibt es nicht mehr Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt. Schon jetzt hat jedes Krankenhaus offene Stellen in der Pflege.

Positive Wirkung würde die PPR 2.0 entfalten, wenn sie die Pflege sinnvoll entlastet und eine gute Krankenhausorganisation ermöglicht. Dazu ist es unbedingt notwendig, dass Hilfskräfte und weiteres therapeutisches Personal sinnvoll einsetzbar bleiben und auch in der PPR 2.0 anrechenbar sind. Damit würde ein patientengerechter und praxiserprobter Qualifikationsmix Berücksichtigung finden. Besonders deutlich wird das im Bereich der Spezialversorger, zum Beispiel in der Neurologischen Frührehabilitation, der Diabetologie oder der konservativen Orthopädie. Hier übernehmen therapeutische Spezialisten außerhalb der examinierten Pflege zumeist in festen Teams mit Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Sprachtherapeuten oder Neuropsychologen pflegetherapeutische Anwendungen wie Waschtraining, Anziehtraining, Essensbegleitung, Vertikalisierung. Diese Berufsgruppen werden in der PPR 2.0 nach heutigem Stand nicht berücksichtigt. Hier muss vor der gesetzlichen Umsetzung dringend nachgebessert werden.

Nachbesserung ist auch bei einer zentralen Vorgabe der PPR 2.0 erforderlich: Krankenhäuser haben unterschiedliche Größen. Durchschnitts- oder Mittelwerte werden den Unterschieden nicht gerecht. Gerade wegen des Fachkräftemangels brauchen die Kliniken Spielräume, um die Patientenversorgung gut zu organisieren. Zudem sollte ihr Ansatz, die Verantwortung für die Personalallokation wieder zurück ins Krankenhaus zu geben, noch deutlich nachgeschärft werden.

Pflegepersonalquotient

Pflegepersonalregelung 2.0 (PPR 2.0)

Psychiatrie-Personalverordnung (PPP-RL)