Defizitfinanzierung

Vor allem Gemeinden, aber auch Länder gewähren staatlichen Krankenhäusern regelmäßig Ausgleichsleistungen wie Jahresfehlbetragsdeckungen, Investitions- und Betriebskostenzuschüsse, Eigenkapitalerhöhungen, zinsvergünstigte Darlehen, kostenfreie Bürgschaften und Liquiditätshilfen (sogenannter Defizitausgleich).

Freigemeinnützige und private Krankenhäuser erhalten bislang keinen solchen Defizitausgleich. Der BDPK setzt sich deshalb für transparente und diskriminierungsfreie Regelungen ein.

Aktuelle Praxis der Defizitfinanzierung

Vor allem Gemeinden, aber auch Länder gewähren staatlichen Krankenhäusern regelmäßig Ausgleichsleistungen wie Jahresfehlbetragsdeckungen, Investitions- und Betriebskostenzuschüsse, Eigenkapitalerhöhungen, zinsvergünstigte Darlehen, kostenfreie Bürgschaften und Liquiditätshilfen (sogenannter Defizitausgleich).

Freigemeinnützige und private Krankenhäuser erhalten bislang keinen solchen Defizitausgleich.

Rechtliche Bewertung

Dass solch ein Vorgehen rechts- und verfassungswidrig ist, bestätigt ein Rechtsgutachten im Auftrag der freien Klinikträger (vgl. hier).

Ein selektiver Defizitausgleich eines Landes nur für staatliche Krankenhäuser verstößt gegen das gesetzliche und verfassungsrechtliche Gebot der Gleichbehandlung der Plankrankenhäuser; ein selektiver Defizitausgleich von Gemeinden nur für eigene (kommunale) Krankenhäuser verstößt gegen das landesgesetzliche Prinzip der Trägervielfalt und das grundgesetzliche Gleichbehandlungsgebot.

Hinzu kommt, dass auf eigene Krankenhäuser beschränkte Ausgleichsleistungen von Kommunen oder Ländern eine unzulässige Beihilfe im Sinne des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union darstellen und deshalb unvereinbar mit dem EU-Beihilferecht sind.

Bestehende rechtliche Rahmenbedingungen

Aufgrund rechtlicher Erwägungen ist ein Verbot solcher Defizitausgleiche leider nicht umsetzbar: Die Länder sind für die Übernahme der Investitionskosten der Krankenhäuser im Wege öffentlicher Förderung grundsätzlich allein zuständig beziehungsweise hierzu verpflichtet; Gemeinden und Gemeindeverbände haben das Recht, kommunale, freigemeinnützige und private Krankenhäuser, die die jeweilige (kommunale) Bevölkerung mit Krankenhausdienstleistungen versorgen, finanziell zu fördern.

Vorschlag des BDPK

Daher schlägt der BDPK vor, an geeigneter Stelle im Gesetz, etwa im Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG), verbindlich zu regeln, dass Defizitausgleiche durch Länder, Gemeinden und Gemeindeverbände allen Krankenhausträgern – unabhängig von ihrer Trägerschaft – nach einheitlichen und objektiven Kriterien gewährt werden.

Objektive Kriterien und Transparenz

Hierbei sind objektive Maßstäbe die Grundsätze des wirtschaftlichen Handelns nach dem Wirtschaftlichkeitsprinzip, die Bedarfsnotwendigkeit des jeweiligen Krankenhauses (= Versorgungsdichte für die betreffende Krankenhausleistung) sowie ein Kennzahlenvergleich.

Hierbei könnte der Kennzahlenvergleich so ausgestaltet werden, dass Krankenhäuser einer Bettenzahl (zum Beispiel 1–49, 50–99, 100–149 etc.) zugeordnet und diesen Kennzahlen zugewiesen werden. Anhand dieser Kennzahlen kann dann ein Vergleich von Krankenhäusern ähnlicher Größe durchgeführt werden.

Kennzahlen könnten beispielsweise die Anzahl der Fachabteilungen, Kosten (differenziert nach Personal, Sachkosten, Kredite und Zinsen und ähnliche Aufwendungen, Steuern und Abzüge), Einnahmen nach der Zahl der behandelten Patienten je Fachabteilung und Leistungsgruppe, Ergebnisqualität der erbrachten Leistungen (QSR, PROMS und PREMS) und Bettenauslastung sein.

Daneben sollte ein öffentlich einsehbares Transparenzregister eingeführt werden, in welchem die Kennzahlen vor der politischen Entscheidung ausgewiesen werden. Das Transparenzregister könnte bei der Kommunalaufsicht der Länder angesiedelt werden; zudem sollte die Auszahlung von Defizitausgleichen unter Genehmigungsvorbehalt der Kommunalaufsicht stehen.

Dass Defizitfinanzierung kommunaler Krankenhäuser keine „Ausnahmelfälle“ sind, zeigt die nachstehende Übersicht, die auf Medienberichten von 2020-2024 beruht. In der Tabelle wird auf externe Webseiten verlinkt. Die Aktualität dieser Webseiten entzieht sich unserer Einflussnahme.

KlinikBundesland(geplanter) DefizitausgleichQuelle
2024
Mehrere Kliniken der Stadt KölnNRWSchuldenerlass i.H.v. 533 Mio. EURBibliomed02.12.2024
Ernst-von-Bergmann-KlinikumBrandenburg60 Mio. EUR (für 2023-2025), 15 Mio. EUR (für 2026)Tagesspiegel10.09.2024
Klinikum St. GeorgSachsen38 Mio. EUR Defizitausgleich
+ 200 Mio. EUR Kredit
lvz.de25.03.2024
Städtisches Klinikum KarlsruheBaden-Württemberg25 Mio. EUR (auch für 2025)Klinikum Karlsbad26.07.2024
Uniklinikum Jena (UKJ)Thüringen20 Mio. EURmdr03.08.2024
Städtisches Klinikum BielefeldNRWBeantragt: 18,9 Mio. EUR + weitere MaßnahmenWestfalenblatt13.06.2024
Klinikum HanauHessen13 Mio. EURop-online.de30.01.2024
Universitätsklinikum Brandenburg an der HavelBrandenburg12 Mio. EURmaz-online.de31.01.2024
Kreiskliniken Darmstadt-DieburgHessen11 Mio. EURop-online.de05.01.2024
Kreiskrankenhaus WeißwasserSachsen10 Mio. EUR KreditAerzteblatt09.08.2024
Heinrich-Braun-KrankenhausSachsen8 Mio. EURRadio Zwickau01.03.2024
Klinikum MittelbadenBaden-Württemberg5,7 Mio. EURswr.de23.01.2024
WestküstenklinikumSchleswig-Holstein5 Mio. EUR Darlehen + 11,5 Mio. EUR Kapitalerhöhung + 8 Mio. EUR UmlageAerzteblatt09.08.2024
Westpfalz-KlinikumRheinland-Pfalz4,56 Mio. EUR Kapitalzuführung + 7,44 Mio. EUR als AusleihungAerzteblatt09.08.2024
Pleißental-Klinik WerdauSachsen4,6 Mio. EUR (Darlehen)mdr24.10.2024
Klinikum FreisingBayern2,5 Mio. EURmerkur.de19.03.2024
2023
München KlinikBayern400 Mio. EURsueddeutsche.de18.12.2023
VivantesBerlin225 Mio. EURÄrztezeitung24.07.2023
Klinikum DessauSachsen-Anhalt85 Mio. EURmz.de30.10.2023
Städtische Kliniken KölnNordrhein-Westfalen83 Mio. EURKölnische Rundschau13.03.2023
Klinikum HöchstHessen48 Mio. EURFAZ07.07.2023
CharitéBerlin46,8 Mio. EURbibliomed manager09.06.2023
Bergmann-KlinikumBrandenburg38 Mio. EURTagesspiegel16.03.2023
Klinikum StuttgartBaden-Württemberg30 Mio. EURstuttgarter-nachrichten.de13.12.2023
Klinikum Aschaffenburg-AlzenauBayern30 Mio. EURmain-echo.de01.12.2023
Rheinland Klinikum NeussNordrhein-Westfalen30 Mio. EURrp-online21.06.2023
Ostalb-KlinikenBaden-Württemberg30 Mio. EURschwäbische17.06.2023
OberschwabenklinikBaden-Württemberg28 Mio. EURschwäbische30.05.2023
Märkische KlinikenNordrhein-Westfalen27,5 Mio. EURcome-on.de06.12.2023
MühlenkreisklinikenNordrhein-Westfalen26,1 Mio. EURwestfalen-blatt13.06.2023
RoMed-KlinikenBayern23,5 Mio. EURBR07.07.2023
Westpfalz-KlinikumRheinland-Pfalz22 Mio. EURSWR03.05.2023
Klinikum OsnabrückNiedersachsen21 Mio. EURnoz07.06.2023
Klinikum WilhelmshavenNiedersachsen20 Mio. EURnwz05.05.2023
Starnberger KlinikenBayern20 Mio. EURMerkur30.01.2023
Gemeinschaftsklinikum MittelrheinRheinland-Pfalz16,5 Mio. EURkma14.03.2023
Kreiskliniken Dillingen-WertingenBayern15 Mio. EURbr24.08.2023
Kreiskliniken Hofgeismar / WolfhagenHessen13,2 Mio. EURhna.de12.12.2023
RKH-KlinikenBaden-Württemberg13 Mio. EURstuttgarter-zeitung.de17.12.2023
Aller-Weser-KlinikNiedersachsen13 Mio. EURKreiszeitung29.04.2023
Krankenhaus Weilheim-SchongauBayern12 Mio. EURMerkur21.03.2023
Kliniken Ludwigsburg-BietigheimBaden-Württemberg11,6 Mio. EURBietigheimer Zeitung15.01.2023
MuldentalklinikenSachsen10 Mio. EURSächsische Zeitung11.05.2023
Klinikum FuldaHessen10 Mio. EURosthessen-news01.02.2023
Kliniken Ostallgäu-KaufbeurenBayern9,7 Mio. EURmerkur.de01.11.2023
Krankenhaus Porz am RheinNordrhein-Westfalen9 Mio. EURkma27.04.2023
SRH-KlinikumBaden-Württemberg6 Mio. EURbibliomedmanager.de04.12.2023
Klinikum HanauHessen6 Mio. EURpresse-service16.01.2023
Klinikum FreisingBayern5,7 Mio. EURsueddeutsche26.09.2023
Klinikum HochrheinBaden-Württemberg5,1 Mio. EURsuedkurier07.10.2023
Haßberg-KlinikenBayern4,2 Mio. EURFränkischer Tag18.02.2023
Alb-Donau-KlinikumBaden-Württemberg3,2 Mio. EURswp.de14.11.2023
Kreisklinik WolfratshausenBayern1,5 Mio. EURsueddeutsche14.07.2023
Kreiskrankenhaus DemminMecklenburg-Vorpommern250 Tsd. EURNordkurier17.03.2023
Klinik ImmenstadtBayernMax. 59 Tsd. EURaugsburger-allgemeine28.09.2023
Haßberg-KlinikenBayern"Weitere Mittel"Fränkischer Tag19.10.2023
2022
Unikliniken Magdeburg und HalleSachsen-Anhalt434 Mio. EURmdr03.03.2022
VivantesBerlin93 Mio. EURTagesspiegel24.05.2022
Imland KlinikSchleswig-Holstein54 Mio. EUR
in den letzten vier Jahren
shz06.12.2022
Städtische Kliniken KölnNordrhein-Westfalenca. 41,9 Mio. EURKölnische Rundschau30.04.2022
Klinikum WilhelmshavenNiedersachsen20 Mio. EURNWZ05.01.2022
Kreiskliniken Darmstadt-DieburgHessen14 Mio. EURMain-Echo13.12.2022
Kliniken Landkreis LörrachBaden-Württemberg8,3 Mio. EURBadische Zeitung23.02.2022
Main-Kinzig-KlinikenHessen7,9 Mio. EURPrimavera2405.01.2022
Klinikum FichtelgebirgeBayern7,4 Mio. EURFrankenpost19.12.2022
Schwarzwald-Baar-KlinikumBaden-Württemberg5 Mio. EURSüdkurier28.03.2022
Kliniken Aichach-FriedbergBayern5 Mio. EURAugsburger Allgemeine03.02.2022
Klinikum MittelbadenBaden-Württemberg4,67 Mio. EURbnn15.11.2022
Kinderkrankenhaus auf der BultNiedersachsen3,6 Mio. EURHAZ26.08.2022
Starnberger KlinikumBayernZuschüsse in "Millionenhöhe"Merkur22.11.2022
2021
Uniklinikum Schleswig-HolsteinSchleswig-HolsteinÜbernahme Altschulden
bis 2022 i.H.v. 340 Mio. EUR
kma21.06.2021
Uniklinikum Hamburg-EppendorfHamburg31 Mio. EURÄrzteblatt29.12.2021
Bergmann-Klinikum PotsdamBrandenburg22,2 Mio. EURPotsdamer Neueste Nachrichten18.05.2021
Klinikum SaarbrückenSaarland6,5 Mio. EURSaarbrücker Zeitung02.03.2021
Aller-Weser-Klinik VerdenNiedersachsen6 Mio. EURWeser Kurier04.07.2021
Kreiskrankenhaus DemminMecklenburg-Vorpommernca. 5 Mio. EURNordkurier07.09.2021
Kliniken an der PaarBayern4,7 Mio. EURAichacher Nachrichten09.04.2021
Ilmtalklinik PfaffenhofenBayern1,25 Mio. EURidowa20.07.2021
Krankenhaus StockachBaden-Württemberg910 Tsd. EURwochenblatt16.07.2021
Kliniken Ostallgäu-KaufbeurenBayern570 Tsd. EUR (+ 1,4 Mio. EUR)Merkur11.12.2021
Klinikum Aschaffenburg-AlzenauBayern490 Tsd. EURMain-Echo21.02.2021