Reform der GOÄ

Im letzten Jahr hat die Ärzteschaft intensiv die Leistungslegenden für die neue GOÄ verhandelt. Deutliche Umgestaltung soll dabei das bisherige Kapitel E "Physikalisch-medizinische Leistungen" erfahren.

So sollte zunächst die Berechnungsfähigkeit sämtlicher Leistungen dieses Bereichs zunächst in der stationären Behandlung gestrichen werden, was beispielsweise die Krankengymnastik aber auch Leistungen der Logopädie betroffen hätte. Lediglich bestimmte Leistungen, die im Bereich physikalische Medizin von Ärzten persönlich erbracht werden, sollen im Kapitel F XIII „Konservative Orthopädie“ verortet werden und grundsätzlich für den Wahlarzt berechnungsfähig gemacht werden. Im Ergebnis würde dies die nahezu vollständige Abschaffung der Liquidationsfähigkeit therapeutischer Leistungen für den stationären Bereich in Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen bedeuten. Das hieße, Leistungen, die von Physiotherapeuten und in Form weiterer funktioneller Therapien im stationären Bereich erbracht werden, wären Bestandteil der allgemeinen Krankenhausleistungen und damit abgegolten.

Diese geplanten Änderungen berücksichtigen jedoch nicht den Mehrwert, der durch die besondere Expertise des Wahlarztes besteht. Bei stationärer akuter und auch rehabilitativer Behandlung hat der verantwortliche Arzt über die gesamte Behandlungsdauer bis hin zum Entlassungsgespräch die Fallführung inne. Auch ist die persönliche Leistungserbringung allein durch den Wahlarzt schon personell nicht möglich. Dieser ist gezwungen, die Leistungen mit seinem fachärztliche Know-how an Mitarbeiter zu delegieren, die er anweisen, fachlich beaufsichtigen und evaluieren muss.

Die Abkopplung der Therapien als vermeintlich vom Wahlarzt unabhängige Leistung widerspricht dem Gedanken der Interdisziplinarität und wäre mit Qualitätseinbußen in der Patientenbehandlung verbunden. Zu befürchten sind z. B. der komplette Entfall der Frühmobilisation und vergleichbarer therapeutischer Leistungen, der Wegfall von Einzeltherapien sowie ergänzender, medizinisch sinnvoller Therapien in spezialisierten Rehabilitationseinrichtungen. Der BDPK kritisiert diese beabsichtigte Neuregelung ausdrücklich. Eine Leistungsverschlechterung stationärer Patienten kann nicht das Ziel der Neuverhandlung der GOÄ sein und muss verhindert werden. Eine GOÄ, die eine eindeutig bessere Versorgung der Privatversicherten im Verhältnis zu gesetzlich Versicherten wegnivelliert, liefert beste Argumente für die Einführung der Bürgerversicherung.

In vielen Gesprächen mit Politikern, verantwortlichen Verhandlungsführern von Bundesärztekammer und PKV-Verband und führenden Versicherungsunternehmen konnte zumindest die generelle Streichung der Abrechnungsfähigkeit im stationären Bereich erreicht werden. Nun sollen die Leistungen sowohl ambulant als auch stationär abrechnungsfähig sein, wenn sie vom Arzt selbst mit erbracht werden. Sehr unwahrscheinlich im klinischen Alltag. Wenn dieser Maßstab gelten soll, müssten nach Auffassung des BDPK die Ärzte auch bei den Laborleistungen deutliche Einschnitte hinnehmen. Denn die erbringen sie schließlich auch nicht selbst!


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