Kolumne von Thomas Bublitz

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Strategie statt Flickenteppich - Glaubt man den Medien, dann steht es schlecht um die deutschen Krankenhäuser. An fast jedem Tag des alten Jahres gab es regionale oder bundesweite Schlagzeilen über unnötige Behandlungen, zu viele Kliniken, Qualitätsmängel, Überlastung des Personals und so weiter.

Und das waren zweifellos nicht alles „Fake News“. Völlig daneben lagen die Berichte und Kommentare dagegen zumeist bei der Ursachenanalyse. Denn der Auslöser für die beklagten Zustände sind weder ökonomisches Handeln noch die DRGs und die privaten Klinikträger. Fakt ist vielmehr, dass die finanziellen Mittel wie überall auch für die Krankenhausversorgung begrenzt sind. Es muss also, ob man will oder nicht, gewirtschaftet, sprich ökonomisch gehandelt werden – und zwar nicht dirigistisch und planwirtschaftlich, sondern gemäß unserer bewährten Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung durch ein marktwirtschaftliches, leistungsorientiertes Steuerungssystem. Genau das sind die diagnosebezogenen Fallpauschalen, mit denen die Leistungen eines Krankenhauses vergütet werden, anstatt die Liegezeit der Patienten. Ein wirksames System, in dem erwiesenermaßen wirtschaftlich erfolgreiche Krankenhäuser mindestens eine gleich gute oder sogar eine bessere Patientenversorgung erbringen als defizitäre Krankenhäuser. Wirtschaftlichkeit und unternehmerisches Handeln führen also per se nicht zu einer schlechteren Patientenversorgung.

Richtig ist aber sicherlich auch, dass nach nunmehr 16 Jahren das DRG-System weiterentwickelt werden muss mit dem Blick für das große Ganze. Leider fehlt genau das. Stattdessen ein Flickenteppich von Gesetzen und Regelungen, die mehr Schaden als Nutzen bringen: Pflegepersonaluntergrenzen, die Ausgliederung von Pflegekosten aus den Fallpauschalen, die zentrale Regulierung der Personalvorgaben für die Psychiatrie und Psychosomatik, willkürliche Eingriffe wie die Absenkung/Abstufung von Bewertungsrelationen, zunehmende Nachweispflichten und eine zweifelhafte MDK-Reform. Weniger Schlagzeilen wird es durch diese Maßnahmen sicherlich auch nicht geben, denn es ist vorhersehbar, dass Krankenhäuser bald Kapazitäten stilllegen müssen, weil sie die Personalvorgaben nicht mehr erfüllen können – die Leidtragenden werden die Patienten sein.

Erforderlich ist jetzt ein kluger, umfassender Reformansatz zur Krankenhausfinanzierung und -planung, der die Qualität der erbrachten Leistungen und Erreichbarkeit der Kliniken mit ihrer Wirtschaftlichkeit in Einklang bringt. So kann es – nicht nur in den Medien, sondern auch in der Realität – gelingen, eine qualitativ hochwertige und jederzeit verfügbare Patientenversorgung zu wirtschaftlichen Pflegesätzen mit dem vorhandenen Personal sicherzustellen.


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