Kolumne von Thomas Bublitz

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Ein guter Rat zum Fachkräftemangel - Es fehlen Handwerker, Grundschullehrer, Erzieher, Polizisten, Richter, Feuerwehrleute und so weiter. Düstere Aussichten für Deutschlands Zukunft. Es sei denn, wir passen uns an diese Umstände an. Worin kann diese Anpassung bestehen?

Wahrscheinlich aus einer cleveren Mixtur aus höherer Effizienz in all unseren Tätigkeiten, stärkerer Arbeitsteilung, konsequenter Nutzung digitaler Innovationen und sicher auch darin, zu hinterfragen, ob alle Dinge, die man heute tut, auch in Zukunft so getan werden müssen.

Nun zu unseren Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken: Auch hier fehlen Fachkräfte. Es fehlen Ärzte und Pflegefachkräfte, Psychologen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und viele mehr. Dennoch fällt die Reaktion nicht so aus, wie es der gesunde Menschenverstand eigentlich erwarten würde. Obwohl bekannt ist, dass ein Großteil unserer Ärzte in den nächsten 15 Jahren aus dem Job ausscheidet, erhöhen die Bundesländer die Zahl der Medizinstudienplätze nicht. In der Pflege sieht es ein wenig besser aus, dort steigen nämlich die Ausbildungs- und Beschäftigungszahlen. Trotzdem erlässt das Bundesgesundheitsministerium jetzt die zweite Pflegepersonaluntergrenzenverordnung, nachdem sich GKV-Spitzenverband (GKV-SV) und Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) nicht auf neue Personaluntergrenzen für unsere Krankenhäuser verständigen konnten. Was ist schiefgegangen?

Als erstes ging es dem GKV-SV um eine Verschärfung der bereits geltenden Untergrenzen. Auf den Intensivstationen sollten ab 2021 statt 2,5 Patienten je Pflegekraft nur 2,1 Patienten tagsüber betreut werden. Die Folge wären deutlich mehr Intensivpflegekräfte, die es heute schon nicht gibt. Der Personalmangel und damit die Nichteinhaltung der Untergrenzen führen dazu, dass sich noch mehr Intensivstationen als jetzt aus der Versorgung abmelden. Gerade erst machte ein Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf dieses zunehmende Problem aufmerksam. Ebenfalls absurd ist die Forderung der GKV, Personaluntergrenzen auch in der Neurologischen Frühreha einzuführen. Dort gelten bereits scharfe Qualitätsanforderungen im OPS-Code. 300 Minuten täglich müssen die Kliniken an therapeutischer Pflege erbringen. Was nützen da noch schärfere Personaluntergrenzen?

Ich bezweifele, dass es den Akteuren um eine bessere Behandlungsqualität geht. Die spielt ohnehin bei der Festsetzung der Untergrenzen keine Rolle. Festgelegt werden sie nach einem mathematischen Verfahren. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass es darum geht, Krankenhäuser vom Markt zu nehmen. Auf diese Art und Weise ist das ein risikoreiches Spiel, denn zukünftig werden die Rettungsleitstellen noch manches Mal erfolglos ein freies Intensivbett suchen und die Patienten könnten die Leidtragenden sein. Meine Empfehlung an die Verantwortlichen von Feuerwehr, Polizei, Handwerk, Schulen: Orientieren Sie sich bei der Suche nach guten Lösungen beim Fachkräftemangel besser nicht an unserem Gesundheitswesen!

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