Meinung

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Ein Blick in die normalen Lebensbereiche eines jeden Menschen zeigt, dass es gut ist, mit einem gesunden Misstrauen durchs Leben zu gehen. Das Auto muss in die Werkstatt, und danach bleibt die Frage, ob tatsächlich das Motoröl gewechselt wurde.

Ähnliches muss auch für den Krankenhausbereich gelten. Schließlich darf es nicht sein, dass die Kliniken Leistungen abrechnen, die sie nicht erbracht haben. Die Prüfungen im Krankenhaus durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) dienen dafür als Kontrollinstrument. Wenn es doch so wäre! Die Realität sieht anders aus. Die Abrechnungsdaten des Krankenhauses werden mit entsprechender Software von den Krankenkassen vorgeprüft und auf mögliche Schwachstellen analysiert. Zielsetzung ist dabei nicht so sehr die Frage, ob die Leistungen tatsächlich erbracht wurden. Von Interesse ist vielmehr: Wurden die Leistungen richtig dokumentiert? Denn ohne Dokumentation keine oder nur eine gekürzte Abrechnung! So lautet die Kurzformel für die MDK-Prüfungen.

Krankenkassen, die dieses Geschäft besonders gut verstehen, können sich Wettbewerbsvorteile in Form von geringeren Krankenhausausgaben verschaffen. Für diese Strategie muss der MDK als Erfüllungsgehilfe der Krankenkassen dienen. Dass dabei die eine oder andere rationale Herangehensweise auf der Strecke bleibt, liegt auf der Hand.

Doch damit nicht genug: Aktuell erarbeitet der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Beschluss einer Qualitätskontrollrichtlinie. Dann kommt der MDK ein weiteres Mal zur Überprüfung ins Haus, ob denn auch alle Strukturkriterien tatsächlich eingehalten werden. Zusammen mit den neuen Regelungen für Mindestmengen bereitet mir dieser enorme Machtgewinn des MDK erhebliches Kopfzerbrechen. Nun nämlich existieren dezidierte Vorschriften, wie welche Leistungen zu zählen und wie die Ergebnisse zu bewerten sind. Kommt rückschauend heraus, dass das Krankenhaus die Vorgaben zur Mindestmengenregelung nicht eingehalten hat, ist das der perfekte Zeitpunkt, um die Leistungserbringung durch diesen Krankenhausstandort infrage zu stellen. Alles in allem wächst die strategische Bedeutung des MDK für die gesetzlichen Krankenkassen enorm. Der MDK hilft den Krankenkassen, fällige Rechnungsbeträge zu kürzen und stellt gleichzeitig die Berechtigung zur Leistungserbringung infrage. Wenn das Ergebnis die Schließung eines Krankenhausstandortes ist, ist das für die Krankenkassen ein weiterer Gewinn.

Der bürokratische Aufwand in den Krankenhäusern im Umgang mit der MDK-Prüfung ist enorm. Noch immer gibt es weder eine Transparenz der Prüfergebnisse noch eine Regelung zum strukturierten Umgang. Häufig wissen die Krankenhäuser nicht, welche Abrechnungsfehler ihnen konkret zur Last gelegt werden. Für problematisch halte ich auch die Tatsache, dass Krankenkassen anbieten, für eine pauschale prozentuale Rechnungskürzung den Prüfaufwand für das betreffende Krankenhaus zu minimieren. Solche Geschäftspraktiken erinnern mich an den Ablasshandel im Mittelalter, der schon vor 500 Jahren Martin Luther auf die Palme brachte.

Von der kommenden Bundesregierung wünsche ich mir neue Regelungen für einen interessensunabhängigen MDK – mit geringem bürokratischen Aufwand für die Krankenhäuser und schlussendlich für mehr Zeit für die Patientenversorgung.


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