Kolumne von Thomas Bublitz

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In der letzten Februarwoche haben der GKV-Spitzenverband (GKV) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) die Vereinbarung nach Paragraf 17 b Abs. 4 Satz 2 KHG zur Definition der auszugliedernden Pflegepersonalkosten und zur Zuordnung von Kosten von Pflegepersonal (Pflegepersonalkostenabgrenzungsvereinbarung) verabschiedet.

Damit ist es nun amtlich: Die DRG als Preissystem haben ausgedient. Stattdessen werden die Pflegepersonalkosten, die der unmittelbaren Patientenversorgung auf bettenführenden Abteilungen (Normalstation, Intensivstation, Dialyse und Pa- tientenaufnahme) zuzuordnen sind, wieder nach dem guten alten Selbstkosten- deckungsprinzip mit den Krankenkassen verhandelt.

So mancher DRG-Kritiker wähnt sich damit endlich am Ziel, die DRG nach nur 15 Jahren begraben zu können. Und, ist das ein Problem? Jetzt können wir endlich Pflegepersonal einstellen, ohne auf die Kosten achten zu müssen. Paradiesische Zustände könnten kommen. Wenn, ja, wenn es nur genug Pflegekräfte gäbe. Aber jeder im Land weiß unterdessen: Es gibt sie gerade nicht. Auch von den Bemühungen der Bundesregierung, mehr Berufsaussteiger zur Rückkehr in die Pflege zu bewegen, spürt man aktuell nicht sehr viel. Insofern könnte sich das Ganze für die Krankenhäuser als ein Handel mit Zitronen entpuppen.

Die nächsten Schritte scheinen bereits absehbar: Die Ärzte wollen raus aus dem DRG-System, genau wie die Therapeuten. Und warum sollten dann eigentlich nicht auch die Krankenhausmitarbeiterinnen und -mitarbeiter raus, die ich jetzt gerade vergessen habe? Dann hätten wir immerhin Fallpauschalen für Sachkosten, Unterkunft und Verpflegung im Krankenhaus, die wir dann nach Belieben auf- und abwerten können.

Bereits jetzt stelle ich mir lebhaft vor, wie die Krankenkassen und die Krankenhäuser die Budgetverhandlungen 2020 führen werden. Fokussiert auf den Knackpunkt, ob Pflegekräfte und ihre Helfer tatsächlich auf der richtigen Station in der unmittelbaren Patientenversorgung eingesetzt werden und ob es nicht auch mit weniger Pflegekräften ginge. Das Nachbarkrankenhaus schaffe das immerhin auch. Eine Diskussion, in der Interessen aufeinanderprallen werden.

Und was bringt die Vereinbarung für die Zukunft der Krankenhäuser? Wenig aus meiner Sicht. Die separate Finanzierung der Pflege wird viele Folgefragen und Abgrenzungsschwierigkeiten aufwerfen. Es ist zu befürchten, dass mit zwei Finanzierungssystemen auf die Beschäftigten in den Krankenhäusern künftig auch doppelte Kontrollbürokratie zukommt. Ungelöst bleibt darüber hinaus die wichtige Frage der Investitionsfinanzierung und der intelligenten Arbeitsabläufe. Statt die Zeit für die Entwicklung echter Innovationen zu nutzen, führen wir eine rückwärtsgewandte Zuordnungsdebatte für Personalkosten. Schade um die Zeit. Die Neuregelung hat das Potenzial, das DRG-System zu sprengen, ohne Existenz einer sinnvollen Alternative.

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