Ein anderer Klinik-Alltag: Gute Reaktionen auf Corona

Neue Dienstpläne, Einrichtung von Infektions-Stationen, Beschaffung von Schutzausrüstung - die Kliniken haben sich im Blitztempo und auf vielfältige Art auf das Coronavirus eingestellt. Dabei entwickelten sie verschiedene besonders kreative Ideen, von denen wir hier einige vorstellen.

Die Liste erscheint endlos: Kapazitätserweiterungen, Beschaffung von Beatmungsgeräten, Fieber-Ambulanzen, Telefonhotlines, Mitarbeiterschulungen. In einem beispiellosen Kraftakt haben sich die Kliniken bundesweit gegen die Folgen des Coronavirus gestemmt und unter Hochdruck eine Vielzahl von Maßnahmen entwickelt und umgesetzt. Der Klinikalltag wurde von heute auf morgen auf den Kopf gestellt. Trotz der enormen Belastungen haben es einige Kliniken sogar auch noch geschafft, besondere therapeutische und praktische Angebote für den Umgang mit Corona und seinen Folgen zu entwickeln. Hier einige Beispiele aus den Kliniken in privater Trägerschaft:

Online zum Arzt
Zur Sicherung der ambulanten Behandlungsangebote während der Corona-Pandemie haben die Helios Kliniken Anfang April eine Videosprechstunde eingerichtet. Das Angebot können Patienten unabhängig von Wohnort oder Gesundheitszustand nutzen. Gestartet wurde unter anderem am Helios Klinikum in Berlin-Buch, wo die Patienten ein Team aus 70 Fachärzten per Videosprechstunde erreichen können. Benötigt wird zur Sprechstunde nur ein Endgerät mit Frontkamera, Anzeigedisplay und Verbindung zum Internet sowie die Krankenkassenkarte oder der Personalausweis bei privater Krankenversicherung. Rezepte und Krankschreibungen, die in der Videosprechstunde ausgestellt werden, erreichen die Patienten anschließend per Post. Unnötige Fahrwege und vor allem Wartezeiten bei Kontrollterminen können so vermieden werden.  Gerade für das onkologische Zentrum des Klinikums ist die Videosprechstunde eine große Erleichterung. Immunschwache Patienten können so noch besser vor einer Infektion geschützt werden, erhalten aber dennoch die nötige Betreuung und Behandlung.

Digitaler Hausbesuch
Ein Ersatz für die Reha ist es nicht, aber eine wertvolle Hilfe für alle Patienten, die wegen der Corona-Pandemie ihre Reha-Maßnahme nicht antreten konnten oder vorzeitig abbrechen mussten: Der digitale „Dr. Becker Hausbesuch“ kommt seit Anfang April an sechs Tagen in der Woche ins Haus, ganz im Rhythmus der stationären Reha. In Form eines Patienten-Newsletters verschickt die Dr. Becker Klinikgruppe Impulse zu Sportübungen, Achtsamkeitstrainings, Entspannungsverfahren oder gesunder Ernährung. Das geballte Wissen kommt aus allen Indikationsbereichen, die die Klinikgruppe anbietet: Psychosomatik, Neurologie, Orthopädie sowie Kardio- bzw. Psychokardiologie. Schwerpunkt liegt auf den Inhalten aus der Psychosomatik. Wer den täglichen digitalen Hausbesuch der Dr. Becker Klinikgruppe nutzen möchte, kann sich über die Seite www.dbkg.de/hausbesuch dafür anmelden. Das Angebot ist kostenfrei und steht in keinem Zusammenhang mit einem individuellen Reha-Anspruch. Ursprünglich war der digitale Hausbesuch nur für Patienten der Dr. Becker-Kliniken konzipiert worden, die wegen der Corona-Pandemie nicht zur Reha kommen durften. Aufgrund der vielen positiven Rückmeldungen aus dem eigenen Patientenkreis entschloss sich das Klinik-Unternehmen aber schon nach kurzer Zeit dazu, das Angebot öffentlich zu machen. Man dürfe, so die Klinik, die Betroffenen nicht einfach im Stich zu lassen. Schließlich würden die Erkrankungen der Patienten nicht über Nacht verschwinden, nur weil Corona das Gesundheitssystem besonders herausfordert.

Zwei spezielle Corona-Reha-Konzepte
Ebenfalls von der Dr. Becker Klinikgruppe wurde eine Reha-Maßnahme entwickelt, mit der die erwarteten psychischen und sozialen Auswirkungen der Corona-Krise abgefedert werden sollen. Die Ärzte der Dr. Becker Kliniken greifen damit eine Empfehlung der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina auf, die diese Mitte April veröffentlicht hatten. Die Experten wiesen darauf hin, dass durch Corona nicht nur Atemwege, sondern auch die Psyche des Menschen bedroht wird.  Kontrollverlust, soziale Isolation und traumatische Erfahrungen wie häusliche Gewalt oder der Tod eines Angehörigen durch Corona können psychische Erkrankungen auslösen oder aber bestehende Störungsbilder verstärken. Die Dr. Becker Kliniken setzen mit ihrem neuen Angebot ganz auf die Leistungselemente der psychosomatischen Reha, um damit die Eigenverantwortlichkeit der Patienten unterstützen und dafür Anleitung bieten. Bei der Entwicklung des Konzepts konnten die Mediziner auf ihre Erfahrungen mit dem „Corona-Sorgen-Telefon“ zurückgreifen, das die Dr. Becker Klinikgruppe bereits zu Beginn der Krise für ihre Mitarbeitenden eingerichtet hatte.

Eine Reha-Maßnahme für Corona-Patienten haben die Chefärzte der Median-Kliniken entwickelt und bereits Ende März gestartet. Behandelt werden Patienten mit schwerem Verlauf der Covid-19-Erkrankung und noch deutlich geschwächtem Zustand, die aber nicht isolationspflichtig sind. Die Therapie berücksichtigt im besonderen Maße die im Rahmen der Erkrankung zu erwartenden pneumologischen Funktionseinschränkungen und eignet sich sowohl als Anschlussheilbehandlung unmittelbar nach dem Krankenhausaufenthalt als auch als Heilverfahren. Angeleitet von Physio- und Ergotherapeuten werden die Patienten langsam wieder mobilisiert, ihre Muskeln gekräftigt, Ausdauer und Kreislauf trainiert sowie alltagspraktische Fähigkeiten geübt. Das Reha-Konzept berücksichtigt in besonderem Maße die im Rahmen der Erkrankung zu erwartenden pneumologischen Funktionseinschränkungen – mit dem Ziel der Wiederherstellung und Normalisierung der Atemfunktion. Neben dem Nutzen für Corona-Erkrankte bedeutet das Angebot der Median-Kliniken auch eine Entlastung von Akutkrankenhäusern durch eine frühere Aufnahme von Patienten.

Online-Kurse und Kommunikationshilfen
Bereits seit Ende März bieten die Asklepios-Kliniken aufgrund der Corona-Krise über das Internet Selbsthilfetrainings zu Stressbewältigung, Achtsamkeit und Entspannung an. Die kostenlosen E-Health-Module sollen als „digitale Begleiter“ Hilfefunktionen übernehmen, die wegen der Einschränkungen im persönlichen Kontakt derzeit nicht möglich sind. Nutzbar sind die Angebote rund um die Uhr über den PC oder als App mit dem Smartphone. Interessierte können über die Internetadresse www.asklepios.com/coronavirus/selbsthilfe oder nach erstmaliger Anmeldung im Internet auch über die App mit dem Smartphone auf die Module zugreifen. Die kleinen audio-visuellen Kurse dauern jeweils zehn bis fünfzehn Minuten – einige Einheiten können die Nutzer durchaus vier bis fünf Wochen begleiten, zum Beispiel um regelmäßig Achtsamkeitsübungen zu wiederholen. Das Klinikunternehmen will mit den auf die seelischen Bedürfnisse zugeschnittenen Online-Selbsthilfekursen in dieser schwierigen Situation unkomplizierte Hilfen für die mentalen Herausforderungen bieten. Denn die einschneidenden Maßnahmen, wie das Kontaktverbot, können bei vielen Menschen Ängste hervorrufen und zur Isolation führen. Die E-Health-Module helfen, sich zu entspannen oder auch negative Gedanken zu reduzieren. Die Programme sind praxisorientiert und von Experten erstellt und bieten Anleitung und Unterstützung zu „Achtsamkeit“, „Mehr Entspannung“, „Weniger grübeln“, Dankbarkeit“ und „Was ist Stress?“, „Zuhause aktiv bleiben“ und „Tagesplan für den Ausnahmezustand“.

Mit einem besonderen Service reagierte das Asklepios-Westklinikum Hamburg zudem auf die Besuchsverbote und -beschränkungen, die seit Mitte März für alle Krankenhäuser gelten. Besonders für Patienten, die nicht auf Skype, Whatsapp und Co zurückgreifen können und deshalb „von der Außenwelt abgeschnitten“ sind, bietet das Klinikum eine Service-Telefonnummer an, über die Verwandte und Freunde ihre Grüße, Fotos, Videos und (Sprach-)Nachrichten an ihre Lieben im Krankenhaus verschicken können. Die Klinik übernimmt es dann, die Nachrichten an die Patienten weiterzuleiten.