Zukunftsorientierte Konzepte für die Pflege

Das Pflegeberufegesetz wurde am 24. Juli 2017 im Bundesgesetzesblatt veröffentlicht. Vorgesehen sind die Zusammenlegung der Ausbildungen der Akut-, Kinder- und Altenpflege sowie die Einführung einer hochschulischen Ausbildung zur/m Pflegefachfrau/-mann. Der erste Ausbildungsjahrgang soll 2020 starten.

Wesentliche Inhalte der Reform der Pflegeberufe wie die Verteilung der praktischen Einsätze und der Rahmenlehrplan werden nicht durch das Gesetz, sondern durch die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung festgelegt, die bislang noch nicht vorliegt und derzeit vorbereitet wird. Die Hoffnung, dass sie den praxisnahen Anforderungen bei der Ausbildung der Pflegekräfte standhält, ist groß, betont Mandy Dietel, zentrale Koordinatorin der Helios-Bildungszentren, im Interview mit dem BDPK.

Wird die Reform der Pflegeberufe dabei helfen, den Fachkräftemangel zu überwinden?

Ein neues Gesetz und eine attraktive Ausbildung decken die künftigen Bedarfe nicht allein. Wir brauchen zukunftsorientierte Konzepte, um dem Wandel im Gesundheitswesen zu begegnen. Wir wollen eine generalistische Pflege, die für alle Altersstufen und alle pflegenden Institutionen ausbildet und Pflege mit ihren verschiedenen Zielsetzungen – beraten, vorbeugen, heilen, rehabilitieren, begleiten – umfasst.

Wie bereiten sich die Helios Kliniken auf den Ausbildungsstart 2020 vor?

Wir bieten bereits jetzt schon mit unseren Handlungsempfehlungen zur Ausbildung und Absolventenprofilen einen fairen Interessenausgleich zwischen Ausbildungsträger und Ausbildungsnehmer, der aus individuellen Förderungen, Zusatzangeboten je nach Interessenlage und Bedarfen sowie attraktiven Ausbildungsbedingungen besteht.

Ist die Reform der Pflegeberufe auch eine Chance zur Vereinheitlichung?

Es geht weniger um Vereinheitlichung als um die innereuropäische Kompatibilität der Pflegeausbildung. Wir brauchen den Skill-Mix in der Pflege mit Differenzierungen, Pflegenden mit Hochschulabschluss genauso wie Helfer beziehungsweise Assistenzberufe.

Welche Punkte müssen von der Politik bei der Erstellung der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung berücksichtigt werden?

Wir erwarten konkrete Aussagen zum Ausbildungsverlauf. Ebenso wichtig ist die Realisierbarkeit für die praktischen Einrichtungen und für die Schulen. Gerade qualifizierte ausbildende Einrichtungen der Kinderkranken- und Altenpflege müssen auch außerhalb von Ballungsräumen für die Schüler leicht erreichbar sein. Und „Alibi“- Veranstaltungen, wie ein Kurzpraktikum im Kindergarten oder als Sprechstundenhilfe in der Kinderarztpraxis, verfehlen auf alle Fälle den generalistischen Ansatz.

Vor welchen Herausforderungen stehen Ausbildungsbetriebe mit dem Inkrafttreten des neuen Pflegeberufegesetzes?

Dringend benötigen wir eine große Flexibilität, in welcher Reihenfolge die Ausbildungsinhalte angeboten werden. Durch die Zwischenprüfung nach zwei Jahren und durch die Bestimmungen, was bis dahin ausgebildet werden soll, wird der Spielraum der Ausbildungsbetriebe deutlich eingeschränkt. Aktuell bieten die Ausbildungsbetriebe ihren Azubis einen Einsatz in der Kinderkrankenpflege oder in der ambulanten Pflege in drei Vollzeit-Jahren, was künftig in den ersten zwei Dritteln der Ausbildung erfolgen soll. Hier stellt sich die Frage, ob es für eine solche Verdichtung überhaupt genügend Einsatzmöglichkeiten gibt.

Welche Konsequenzen hat der Ausbildungsverlauf auf das Prüfungsverfahren?

Pflege wird praktisch ausgebildet mit derzeit sechs theoretischen Prüfungen und nur einer praktischen Prüfung. Die Prüfungen sollten die Kompetenzen abfragen, die für die spätere Berufsausübung nötig sind. Dafür muss ein geeignetes Prüfungsverfahren genutzt werden, das allen Auszubildenden gleiche Prüfungsbedingungen gewährt. Zu guter Letzt sollte in der Ausbildungsverordnung auch ein Mindestsprachniveau definiert werden.