Spezialisierte Notfallversorgung in Gefahr

Der G-BA hat trotz des geschlossenen Widerstands der Krankenhausverbände entschieden: Es wird ein gestuftes Notfallsystem eingeführt, inklusive Abschlägen bei Nichterfüllung bestimmter Mindestanforderungen. Häuser, wie die Nürnberger Kliniken Dr. Erler, fallen dann aus der Notfallversorgung.

Und das, obwohl die Erler-Klinik als orthopädisch-chirurgisches Fachkrankenhaus jährlich mehr als 18.000 Notfallpatienten ambulant und über 1.500 stationär besonders kompetent versorgt.

„Prinzipiell ist die Neuordnung der Notfallversorgung zum Wohle des Patienten richtig, aber die aufgestellten Anforderungen bilden die zu Recht geforderte Qualität eben nicht ab“, fasst Markus Stark, Geschäftsführer der Kliniken Dr. Erler, zusammen. Jedenfalls nicht in Bezug auf die Nürnberger Erler-Klinik, einer auf Unfallchirurgie und Orthopädie spezialisierten Fachklinik. Dabei ist die Erler-Klinik als lediglich eines von zwei Krankenhäusern in Nürnberg für die Versorgung von Unfallverletzten durch die Berufsgenossenschaften ermächtigt. Um am stationären Durchgangsarzt-Verfahren beteiligt zu werden, müssen gemäß strenger Richtlinien der Berufsgenossenschaften spezielle personelle, apparative und räumliche Anforderungen erfüllt sein.

Nicht zuletzt deswegen verfügen die Kliniken Dr. Erler über alles, was eine renommierte Notfallambulanz mit orthopädisch-chirurgischer Ausrichtung braucht: eine Intensivstation mit zehn Betten inklusive Beatmungsmöglichkeit sowie entsprechendes Facharztpersonal, das 24 Stunden vorgehalten wird. Zudem sind die Kliniken Dr. Erler als lokales Traumazentrum zertifiziert. Allerdings fehlt – und hier liegt der Knackpunkt – eine rund um die Uhr besetzte  Fachabteilung für innere Medizin: „So eine Abteilung dürfen wir laut Versorgungsauftrag überhaupt nicht haben“, betont Stark. Momentan steht es deshalb schlecht um die Zukunft seiner Notfallambulanz: „Nicht kurzfristig, aber mittelfristig müssen wir sehen, ob wir aufgrund der drohenden Abschläge, die diesen ohnehin schon defizitären Bereich zusätzlich treffen, unsere Patienten noch adäquat versorgen können."

Was für Verärgerung sorgt, sind die paradoxen Bestrebungen der Gesundheitspolitiker: Einerseits sollen in Zukunft diejenigen Einrichtungen im Gesundheitswesen belohnt werden, die durch hohen Spezialisierungsgrad eine überdurchschnittliche Eingriffshäufigkeit – zum Beispiel bei unfallchirurgischen Eingriffen – vorweisen, andererseits werden nach Empfinden der Verantwortlichen der Kliniken Dr. Erler durch die Neuordnung der Notfallversorgung gerade die Häuser für eben diese hohe Spezialisierung mit Abschlägen bestraft.