Reha-Erfolg individuell messen: PROMS erfolgreich getestet

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat eine gemeinsam mit Qualitätskliniken.de durchgeführte Studie vorgestellt, mit der die Ergebnismessung in der orthopädischen Rehabilitation untersucht wurde. Über die Ergebnisse sprachen wir mit dem Studienleiter, Prof. Dr. Holger Schulz, Stiftungsprofessor für Versorgungsforschung des Instituts und der Poliklinik für Medizinische Psychologie des UKE.

Welche zentralen Erkenntnisse konnten in der Studie gewonnen werden und welchen weiterführenden Forschungsbedarf sehen Sie?     
Wir haben in diesem Pilotprojekt den rehabilitativen Behandlungserfolg dreier unterschiedlicher orthopädischer Patientengruppen in 24 teilnehmenden Kliniken untersucht. Patienten mit Knie- oder Hüft-Gelenkersatz sowie Patienten mit chronischen Rückenschmerzen wurden am Anfang und am Ende der Reha mit international anerkannten und validierten Fragebögen, sogenannten Patient Reported Outcome Measures, befragt. Ein generisches Instrument zur Erfassung der allgemeinen gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurde in allen Indikationsbereichen eingesetzt. Um den krankheitsspezifischen Aspekten Rechnung zu tragen, haben wir darüber hinaus jeweils ein spezifisches Instrument pro Krankheitsbild verwendet. Damit die Einschätzungen der Patienten mit denen der Behandler verglichen werden können, haben wir zusätzlich den modifizierten Staffelstein-Score erhoben.
Die Ergebnisse sind vielversprechend: Wir konnten in allen Bereichen mittlere bis hohe Effektstärken messen, was darauf hindeutet, dass die Patienten von der rehabilitativen Behandlung profitiert haben. Noch größer waren übrigens die Effektstärken bei der Bewertung aus Sicht der Behandler. Wir sollten aber keine vorschnellen Schlüsse ziehen: Wir haben (noch) keine randomisierte kontrollierte Studie durchgeführt, die kausale Schlussfolgerungen erlaubt. Uns ging es erst einmal um die praktische Durchführbarkeit und darum, ob die eingesetzten Instrumente prinzipiell geeignet sind, Behandlungserfolg in der Reha abzubilden. Wir werden die Ergebnisse diskutieren und unsere Erfahrungen aus dem Erfassungsprozess in den Kliniken in unsere nächsten Projekte/Erhebungswellen einfließen lassen. Wie in jedem anspruchsvollen Projekt gibt es vielfältige Stolpersteine, aus denen es zu lernen gilt.

Neben der Ergebnisqualitätsmessung auf Basis von PROMS in der Orthopädie sind äquivalente Messungen in weiteren Indikationen geplant. Wie sieht der Zeitplan für diese Projekte aus und welche Herausforderungen sehen Sie?
Gegenwärtig läuft ein weiteres Pilotprojekt in der Psychosomatik, hier interessieren wir uns insbesondere für Patienten aus den Indikationsbereichen Depression und Angststörungen. Die Datenerhebung endet im April, sodass wir noch im zweiten Quartal 2020 mit ersten Ergebnissen rechnen. In der Onkologie haben wir die Instrumente mit den klinischen Experten bereits abgestimmt, die Studie soll im zweiten Quartal dieses Jahres starten. Im weiteren Jahresverlauf soll eine zweite Erhebungswelle in der Orthopädie durchgeführt werden. Ziel ist es, hier auch eine katamnestische Befragung, also eine Befragung mehrere Monate nach der Reha, zu implementieren. Es hat sich bewährt, die Instrumente mit den ärztlichen Experten aus den Kliniken abzustimmen. Grundlage sind aber immer internationale Systeme wie ICHOM oder die PROMIS-Datenbank, da es uns vor allem um eine auch international vergleichbare, standardisierte Ergebnismessung geht, die perspektivisch den gesamten Behandlungsverlauf der Patienten abbilden soll. Dabei ist ein sektorenübergreifender Ansatz, der eine einheitliche Messung in Akutversorgung und Rehabilitation zulässt, anzustreben. Die praktischen Herausforderungen sind aber nicht zu unterschätzen, das zeigen schon die ersten Versuche, die Befragungen in den Klinikalltag zu integrieren und die Prozesse entsprechend anzupassen. Gleichzeitig zeigen die Erfahrungen aber erfreulicherweise auch, dass es grundsätzlich möglich ist, diesen Ansatz zu verfolgen.

In den externen Qualitätssicherungsverfahren der Renten- und Krankenversicherung wird die Rehabilitandenperspektive bei der Ergebnisqualitätsmessung über die Einschätzung des subjektiven Behandlungserfolgs und eine Zufriedenheitsbefragung abgebildet. Wie schätzen Sie die Möglichkeiten eines breiten Einsatzes von PROMS in der Reha-Qualitätssicherung in Deutschland ein?
Die Kostenträger in der Rehabilitation können durchaus als Pioniere beim Einsatz von Patient Reported Outcomes angesehen werden. Der von der Deutschen Rentenversicherung erhobene subjektive Behandlungserfolg ist heute einer der wichtigsten Qualitätsindikatoren im Bereich der Rehabilitation. Auch die GKV setzt im QS-Reha-Verfahren solche Instrumente ein. Was unter anderem noch fehlt, ist zum einen die internationale Vergleichbarkeit und zum anderen die Transparenz im Sinne eines Public Reporting. Vor allem an letzterer Zielsetzung arbeiten wir gemeinsam mit Qualitätskliniken.de, wobei immer ein enger Austausch mit der Deutschen Rentenversicherung besteht. Insgesamt ist es für die Verbreitung von Patient Reported Outcomes aus meiner Sicht von großer Bedeutung, wenn alle Beteiligten möglichst aufeinander abgestimmte sektorenübergreifende Instrumente einsetzen. Damit könnte mittelfristig die Patientenperspektive einen angemessen Stellenwert in unserer Gesundheitsversorgung erhalten.