Reform der Psychotherapeutenausbildung

Mit dem Regierungsentwurf für ein Gesetz zur Reform der Psychotherapeutenausbildung soll die Ausbildung von Psychotherapeuten grundständig neu geregelt werden. Die zukünftige Psychotherapeutenausbildung soll durch eine Direktausbildung in Form eines 5-jährigen Hochschulstudiums der Psychotherapie mit theoretischer und auch praktischer Ausbildung erfolgen.

Neben 4.080 Stunden theoretischer Ausbildung sollen 1.320 Stunden praktische Ausbildung den Psychotherapeuten die erforderlichen Handlungskompetenzen für eine eigenverantwortliche und selbstständige psychotherapeutische Versorgung von Patienten vermitteln. Das insgesamt 5-jährige Studium ist entsprechend der Vorgaben des Bologna-Prozesses in einen Bachelor- und einen Masterabschnitt unterteilt. Nach erfolgreicher Masterprüfung ist eine staatliche Prüfung vorgesehen, die zur Approbation führt. Im Anschluss soll dann ein Fachkundenachweis im Rahmen einer Weiterbildung erfolgen.

Der BDPK als auch die DKG begrüßen in ihren Stellungnahmen grundsätzlich die Neuregelung, mahnen jedoch folgenden Nachbesserungsbedarf an:

  •  Anpassungen in der Ausbildung der Psychotherapeuten sollten an einer optimalen Patientenversorgung und den besonderen Bedürfnissen von Menschen mit psychischen Erkrankungen unter Gewährleistung der Patientensicherheit ausgerichtet werden.
  • Die Mehrkosten der Krankenhäuser für die künftige Psychotherapeutenaus- und -weiterbildung werden rund 100 Mio. € pro Jahr betragen. Deshalb sollte für die zur Weiterbildung neu zu schaffenden Stellen eine Refinanzierung in voller Höhe gesetzlich vorgegeben werden.
  • Es muss sichergestellt sein, dass auch Absolventen der zukünftigen Ausbildung die Aufgaben des klinischen Alltags eigenständig und selbstverantwortlich meistern können.
  • In der gültigen Psychiatrie-Personalverordnung ist der variable Einsatz zwischen Ärztinnen und Ärzten und Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten möglich, was sich in der klinischen Praxis sehr bewährt hat. Es ist zwingend erforderlich, dass dies in der noch zu erarbeitenden Personalvorgabe aufrecht erhalten bleibt.
  • Es muss geklärt werden, in welcher Form und Intensität zukünftig den Besonderheiten bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen Rechnung getragen werden soll.
  • Auch rehabilitative Kenntnisse sollten neben psychotherapiewissenschaftlichen, psychologischen, pädagogischen und medizinischen Kenntnissen in der Ausbildung der Psychotherapeuten vermittelt werden.
  • Da Psychotherapeuten in Weiterbildung nicht in gleichem Maße wie Ärzte in Weiterbildung klinisch einsetzbar sind, könnten ärztliche Weiterbildungsassistenten gegenüber psychotherapeutischen Weiterbildungsassistenten von den Krankenhäusern bevorzugt werden.
  • Die Regelungen für eine umfassende berufsgruppenübergreifende, koordinierte und strukturierte Versorgung sind nicht in der Psychotherapie-Richtlinie, sondern in einer neuen Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zu etablieren.

Das Bundeskabinett hatte am 27.02.2019 den Regierungsentwurf zum Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz beschlossen. Die wichtigsten Änderungen im Kabinettsentwurf gegenüber dem Referentenentwurf, die die Krankenhäuser betreffen, sind:

  • Der § 26 des Referentenentwurfes zu Modellversuchsstudiengängen, die die Psychotherapeuten befähigen sollten, die Feststellung, Verordnung und Überprüfung von psychopharmakologischen Maßnahmen durchzuführen, ist entfallen. Damit wird die Verordnung von Psychopharmaka durch Psychotherapeuten nicht mehr weiterverfolgt.
  • Im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung ist eine somatische Abklärung herbeizuführen. Damit ist eine ärztliche Untersuchung vorgegeben.
  • Die Mehrkosten für die GKV werden auf einen unteren bis maximal mittleren dreistelligen Millionenbetrag geschätzt. Hier dürften die von der DKG eingeforderten 100 Millionen Euro für die Krankenhäuser enthalten sein.

Der Bundesverband Deutscher Privatkliniken (BDPK e.V.) unterstützt die mit der Novellierung des Psychotherapeutengesetzes verfolgte Initiative des Gesetzgebers, die Grundlage für eine qualifizierte, patientenorientierte, bedarfsgerechte und flächendeckende psychotherapeutische Versorgung zu schaffen. Die Reform bietet Chancen den bereits bestehenden und sich zukünftig verschärfenden Fachkräftemangel zu begegnen. Es muss allerdings darauf geachtet werden, dass Absolventen auch zukünftig die Aufgaben des Klinikalltag eigenständig bewältigen können. Der Forderung des BDPK, die Rehabilitation stärker in der Ausbildung zu berücksichtigen wurde bedauerlicherweise nicht nachgekommen, hier muss dringend nachgebessert werden. Das Gesetz bedarf der Zustimmung des Bundesrates. Die erste Lesung des Kabinettsentwurfs im Bundestag ist im Mai, die Verkündung des Gesetzes voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2019 geplant.