Qualitätsmerkmal Selbsthilfefreundlichkeit

In Deutschland engagieren sich rund 3,5 Millionen Patienten und ihre Angehörigen in Selbsthilfegruppen. Gefördert wird dieses Engagement vom Netzwerk Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen (SPiG). Der BDPK ist Mitglied des Netzwerks. Über die Wirksamkeit der Kooperationen von Selbsthilfe und medizinischen Einrichtungen berichtet Bundeskoordinatorin Antje Liesener.

Viele Gesundheitseinrichtungen arbeiten bereits eng mit der Selbsthilfe zusammen. Die Vorteile dieser Kooperation liegen auf der Hand: Die Qualität in der Gesundheitsversorgung verbessert sich. Durch den regelmäßigen Austausch mit Selbsthilfegruppen wächst unter anderem das Verständnis der Fachkräfte, wie eine Diagnose den Alltag beeinflusst. Sie können Patienten gezielter darin unterstützen, diese Veränderungen erfolgreich zu bewältigen.
In einer selbsthilfefreundlichen Gesundheitseinrichtung wird die Arbeit von Selbsthilfegruppen als Ergänzung zum ärztlichen Handeln verstanden: Die Verknüpfung von Fachwissen mit dem Expertenwissen der Betroffenen ermöglicht eine ganzheitliche Betrachtung von Krankheit und Behinderung. Eine gelungene Zusammenarbeit erweitert das professionelle Handeln, stärkt die Patientenbindung und unterstützt die Compliance.

Das Konzept Selbsthilfefreundlichkeit setzt neue Standards für die Zusammenarbeit von Gesundheitseinrichtungen und gemeinschaftlicher Selbsthilfe. Es unterstützt Krankenhäuser, Rehabilitationseinrichtungen und Arztpraxen, sich im Sinne der Patientenorientierung das Erfahrungswissen der Selbsthilfe anzueignen und systematisch in der Versorgung der Patienten anzuwenden. Den Rahmen für eine gelingende Kooperation definieren die folgenden Qualitätskriterien, die die Selbsthilfefreundlichkeit medizinischer Einrichtungen ermöglichen:

  • Orte für Informationen werden geschaffen: Um sich über Selbsthilfe zu informieren, stehen Räume, Infrastruktur und Präsentationsmöglichkeiten zur Verfügung.
  • Auf die Möglichkeit der Teilnahme an Selbsthilfeinitiativen wird hingewiesen: Patienten und Angehörige werden stetig und persönlich über die Möglichkeit des Besuchs einer geeigneten Selbsthilfegruppe informiert.
  • Die Öffentlichkeitsarbeit wird unterstützt: Die Gesundheitseinrichtung berichtet über die positiven Effekte ihrer Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe für Patienten und Angehörige. Sie unterstützt damit aktiv und praxisnah die Öffentlichkeitsarbeit der Selbsthilfe.
  • Ein Ansprechpartner ist vor Ort: Die Gesundheitseinrichtung hat einen Selbsthilfebeauftragten benannt.
  • Qualifikation: Die Mitarbeiter der Gesundheitseinrichtung erhalten zum Thema Selbsthilfe Fort- und Weiterbildung, in die die Selbsthilfegruppen beziehungsweise die Selbsthilfeunterstützungsstellen einbezogen werden.
  • Partizipation der Selbsthilfe wird ermöglicht: Die Gesundheitseinrichtung ermöglicht Selbsthilfegruppen die Mitwirkung in geeigneten Gremien.
  • Kooperation ist verlässlich gestaltet: Gesundheitseinrichtung und Selbsthilfe treffen konkrete Vereinbarungen zur Zusammenarbeit und zum regelmäßigen Austausch. Die Kooperation ist formal beschlossen und dokumentiert.

Das Netzwerk Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung unterstützt Einrichtungen auf dem Weg zu mehr Selbsthilfefreundlichkeit durch methodisch fundierte Instrumente, begleitende Beratung und Vernetzung mit relevanten Akteuren vor Ort. Die Mitgliedschaft im Netzwerk ist kostenfrei, Konzept und Beratung inklusive.

Kliniken, die auf Grundlage der Qualitätskriterien erfolgreich mit Selbsthilfegruppen und der örtlichen Selbsthilfekontaktstelle zusammenarbeiten, können sich beim Netzwerk Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen um eine Auszeichnung ihrer Selbsthilfefreundlichkeit bewerben. Aktuell tragen 21 Krankenhäuser und neun Reha-Kliniken die Auszeichnung „selbsthilfefreundlich“, darunter auch BDPK-Mitgliedskliniken. Detaillierte Informationen gibt es unter www.selbsthilfefreundlichkeit.de oder per E-Mail: info@selbsthilfefreundlichkeit.de.