Positionspapier der DKG: Lehren aus der Corona Pandemie für gute Krankenhauspolitik

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat in einer Pressekonferenz das Positionspapier „Lehren aus der Pandemie für gute Krankenhauspolitik“ vorgestellt und thematisiert darin vor allem den kurzfristigen Handlungsbedarf sowie eine dauerhafte bürokratische Entlastung der Krankenhäuser.

In den letzten Monaten sind wir auf eine Art und Weise getroffen worden, wie wir es uns bis dato nicht hatten vorstellen können. Die Corona-Pandemie hält die ganze Welt in Atem und nahezu alle Wirtschaftsbereiche sind davon betroffen. Die deutschen Krankenhäuser haben trägerübergreifend das Bestmögliche getan, um die Gesundheitsversorgung aufrecht zu erhalten und es nicht zu solchen Bildern wie in Italien oder den USA kommen zu lassen. Der Lockdown Mitte März bedeutete für die Krankenhäuser massive Einschränkungen; von einem Tag auf den anderen waren sie dazu aufgefordert worden, sämtliche planbare Operationen zu verschieben und den Regelbetrieb zu unterbrechen. Ziel war es, so viele Kapazitäten wie nur möglich für COVID-19-Patienten zu schaffen. Während der Regelbetrieb um 50 bis 70 Prozent heruntergefahren wurde, stockten die Krankenhäuser die Intensivbetten auf, schafften Isolierstationen und schulten Personal um. Die Ergebnisse zeigen, dass die Maßnahmen richtig waren. Doch es gibt verschiedene Lehren, die aus dem bisherigen Umgang mit der Pandemie gezogen werden können. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat dazu ein Positionspapier verfasst und Anfang Juli vorgestellt.

In dem Positionspapier, dessen Erarbeitung in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedsverbänden der DKG stattfand, wird der weitere Handlungsbedarf für 2020 formuliert. Zudem werden Vorkehrungen für zukünftige Pandemien und Eckpunkte für eine grundlegende Reform der medizinischen Versorgung vorgeschlagen. Unter den Maßnahmen, die insbesondere in unmittelbarer Zukunft getroffen werden müssen, finden sich zahlreiche Vorschläge des BDPK.

Handlungsbedarf 2020
Zwar läuft in den Krankenhäusern wieder der Regelbetrieb, doch aufgrund der Hygienevorkehrungen ist eine volle Auslastung nicht möglich. Einer der wichtigsten Punkte ist daher die Weitergeltung der Ausgleichszahlungen über den 1. Oktober 2020 hinaus sowie ein Pandemiezuschlag für Corona-bedingten Mehraufwand. Das Leistungsniveau von 2019 kann in diesem Jahr nicht mehr erreicht werden, daher schlägt die DKG vor, den Fixkostendegressionszuschlag bis zum (Wieder-)Erreichen des Leistungsniveaus auszusetzen. Als weitere Punkte werden in dem Positionspapier eine dauerhafte Verkürzung des Zahlungsziels für die Begleichung von Krankenhausrechnungen, die bürokratiearme Umsetzung des „Zukunftsprogramm Krankenhäuser“, eine Finanzierung aller tariflichen Personalkostensteigerungen sowie die Forderung nach PPR 2.0 anstelle von PPUG genannt.

Der BDPK unterstützt diese Vorschläge ausdrücklich. Darüber hinaus sehen wir es für notwendig an, die MDK-Prüfquote im Jahr 2021 weiterhin auf 5 Prozent zu begrenzen. Des Weiteren sollte die G-BA PPP-RL im nächsten Jahr ausgesetzt und die Zeit zur Weiterentwicklung des Instruments Psychiatrie/Psychosomatik unter Berücksichtigung des Organisationsmix sowie unterschiedlicher Behandlungskonzepte genutzt werden.

Vorkehrungen für zukünftige Pandemien und Reform der medizinischen Versorgung
Neben einer Lösung der aktuellen Problemlage macht die DKG Vorschläge für Vorkehrungen in zukünftigen Pandemiefällen. Dazu gehören die Vorhaltung aktueller Pandemiepläne, eine finanzielle Sicherstellung, Kapazitäten von Arzneimitteln, Impfstoffe und PSA, der Ausbau von Laborkapazitäten, digitale Tracking-Lösungen sowie eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Im Fokus einer grundlegenden Reform der medizinischen Versorgung sieht die DKG regionale Versorgungsnetzwerke als zentrales Leitbild. Die Erfahrungen der letzten Monate haben gezeigt, dass die föderalen Strukturen in Deutschland erfolgreich zur Pandemiebekämpfung beigetragen haben und beibehalten werden sollten. Dringend notwendige sind allerdings eine bedarfsgerechte Personalausstattung und eine nachhaltige Investitionsfinanzierung. So sind die Mittel aus dem Konjunkturpaket ein guter erster Anfang, doch die Investitionen in die Krankenhäuser müssen langfristig beibehalten werden, um die Potentiale der Digitalisierung voll ausschöpfen und die Bürokratielasten weiter abbauen zu können.