Pflegeausbildung in Reha-Einrichtungen: Weil jede Stelle zählt

Der BDPK fordert eine Reform der Ausbildungsordnung, denn obwohl in der Pflege ein erheblicher Fachkräftemangel besteht, dürfen Reha-Einrichtungen keine Pflegekräfte ausbilden. Dass sie es können und welche Vorteile die Reha bietet, zeigen die Berichte und Statements aus BDPK-Mitgliedskliniken.

Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, Nümbrecht

Dr. Tim Kleiber, Verwaltungsdirektor der Dr. Becker Rhein- Sieg-Klinik, bringt es auf den Punkt: „Reha-Pflege ist etwas Besonderes. Bei uns arbeiten alle Berufsgruppen – Ärztlicher Dienst, Pflege, Therapie bis hin zu Sozialdienst und Psychologen – interdisziplinär miteinander und tauschen sich täglich über die Patienten und deren Reha-Ziele aus. So erhält man einen ganz anderen Blick auf deren Entwicklung. Darüber hinaus dauert eine Reha mindestens drei Wochen. Unsere Mitarbeiter bauen in dieser Zeit echte Patientenbeziehungen auf und können die Fortschritte ihrer Patienten hautnah miterleben.“ Ein klarer Vorteil für die Ausbildung angehender Pflegekräfte. Aber in Deutschland dürfen ausschließlich Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen eigene Pflegekräfte ausbilden. „Glücklicherweise verfügen auch wir seit 2017 über eine eigene Krankenhausstation, sind daher offiziell als Akutkrankenhaus anerkannt und erfüllen die Grundvoraussetzung für die Ausbildung“, so Kleiber. „Zudem wurde für dieses Jahr die Ausbildungsverordnung überarbeitet. Nun ist es uns rechtlich endlich möglich, angehende Pflegefachkräfte in unserer Klinik umfassend auszubilden.“

Reha-Zentrum Oldenburg (RZO)

Das RZO pflegt bereits seit vielen Jahren mit drei ortsansässigen Pflegeschulen sehr gut funktionierende Strukturen für die praktischen Anteile während der Pflegeausbildung. Es bestehen vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten in den Fachbereichen Neurologie (Phase C und D), Geriatrie sowie der Kardiologie, die zugleich im Rahmen des integrierten Herzzentrums die Betreuung akutstationärer Patienten einbindet. Auszubildende aus der Gesundheits- und Krankenpflege, wie auch der Altenpflege, können so den Übergang zwischen der Akutversorgung in den Krankenhäusern und der anschließenden Vorbereitung auf das zukünftige Alltagsleben der Rehabilitanden unmittelbar kennenlernen. Aus dem stationären Setting heraus lernen die Auszubildenden durch Anleitung, Beratung und ressourcenorientierte Pflegehandlungen, die Selbstsorge der Patienten zu stärken und durch die interprofessionelle Zusammenarbeit Perspektiven für die Lebenssituation der ihnen anvertrauten Menschen aufzuzeigen.

„Mir gefällt besonders das Pflegeverständnis in der Rehabilitation: aktivierende Pflege mit dem Ziel der Rückführung der Patienten in ihren Alltag. Die interprofessionelle Zusam menarbeit, Pflege als Teil der Therapie und die Absprachen im Rahmen der täglichen Übergaben beeindrucken mich sehr“, sagt der Auszubildende Kevin Bahnik, der sich nach der Ausbildung die Reha-Klinik als künftigen Arbeitsplatz sehr gut vorstellen kann.

Das neue Pflegeberufegesetz verliert dabei diese hervorragende Möglichkeit zum Kennenlernen und Aufbau von rehabilitativer Pflege leider fast vollständig aus dem Blick. So kommen Praktika von Auszubildenden künftig nur noch als zweiwöchige Wunscheinsätze überhaupt infrage und auch als Träger von Ausbildungsplätzen in Kooperation mit ausbildenden Schulen sind die Reha-Kliniken gesetzlich ausgeschlossen worden. Dies ist aus Sicht der Reha-Träger in keiner Weise nachzuvollziehen. So werden zusätzliche Möglichkeiten zur Schaffung weiterer Ausbildungsplätze in der Pflege leider weiterhin verspielt.

Vamed Klinik Hattingen

Die Vamed Klinik Hattingen ist ein Rehabilitationszentrum für Neurologie, Neurochirurgie und Neuropädiatrie und bietet Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Weiterbehandlung nach neurochirurgischen Eingriffen und neurologischen Erkrankungen in allen Reha-Phasen. Rund 550 Mitar- beiter helfen schwerstbetroffenen Patienten, die Mitarbeiter im Pflegedienst bilden die größte Berufsgruppe. In der neurologischen Rehabilitation arbeiten die Pflegekräfte nach dem Konzept der therapeutisch-aktivierenden Pflege. „Die Patienten werden hier nicht nur gepflegt, sondern aktiv eingebunden“, sagt Pflegedirektor Christoph Marx-Pyko. „Das bedeutet beispielsweise, dass sie nicht einfach gewaschen werden, sondern dass die Pflegekräfte dies gemeinsam mit den Patienten übernehmen, um so die Bewegungsmuster nach und nach wieder im Hirn zu verankern.“ Damit ist schon das morgendliche Waschen ein Teil der Therapie. Das kostet Zeit und braucht enge Beziehungen zu den Patienten – Anforderungen, die in Reha aufgrund der wochenlangen Aufenthaltszeiten leichter zu bewältigen sind, als in der enger getakteten Akutversorgung, wo man die Patienten kaum noch näher kennenlernt.

Pflegekräfte vollumfänglich ausbilden darf die Vamed Klinik Hattingen als Reha-Klinik nicht. „Wir bedauern das sehr“, sagt Pflegedirektor Christoph Marx-Pyko. „Pflegeschüler hätten hier die Möglichkeit, alle Aspekte dieses wichtigen Berufes zu lernen.“ Die Klinik kooperiert daher mit dem Evange- lischen Krankenhaus Hattingen, das über eine neurologische Akutabteilung verfügt. Pflegeschüler der Akutklinik können dadurch Reha-Luft schnuppern und das kommt gut an. Leandra Martins hat eineinhalb Jahre ihrer dreijährigen Ausbildung absolviert und entschied sich für einen sechswöchigen Praxisteil in der Reha. „Alle sind hier motiviert, mir etwas beizubringen“, sagt die 20-Jährige. Für die Pflegeschülerin bedeutet das, mit Therapeuten und erfahrenen Kolleginnen und Kollegen Hand in Hand zu arbeiten. „Hier erlebe ich die Entwicklung der Patienten und bin mit meiner pflegerischen Tätigkeit an ihrem Genesungsprozess beteiligt.“ Die sechs Wochen in der Reha gingen schnell um, aber eines steht für Leandra Martins fest: Eine Pflegetätigkeit in der Reha ist für sie nach der Ausbildung eine Berufsoption.

Passauer Wolf Bad Gögging

Andreas Herzog, Geschäftsführer Passauer Wolf: „Die Ausbildung neuer Pflegekräfte ist für uns von zentraler Bedeutung. Die Corona-Pandemie hat der Öffentlichkeit deutlich vor Augen geführt, wie wichtig die Pflegeberufe sind. Wir sind stolz darauf, die Zukunft dieses Berufs tatkräftig mitzugestalten, indem wir eine fundierte praktische Ausbildung in unseren Häusern anbieten. Auszubildende können an den Passauer-Wolf -Standorten Bad Griesbach, Bad Gögging und Nittenau einen großen Teil ihrer praktischen Ausbildung absolvieren. Durch die zahlreichen medizinischen Fachgebiete beim Passauer Wolf, darunter die Neurologie, Geriatrie und die Langzeitpflege, kann die Pflegeausbildung interdisziplinär gestaltet werden und bereitet die Auszubildenden damit optimal auf den Berufsalltag vor. Dies geschieht in enger Abstimmung mit den Pflegeschulen, sodass Theorie und Praxis sinnvoll aufeinander abgestimmt sind.“

Bernhard Häring, Auszubildender beim Passauer Wolf Bad Gögging: „Mit 30 noch einmal eine Ausbildung anzufangen, ist natürlich ein gewagter Schritt. Der hat sich bei mir aber auf jeden Fall gelohnt. Ich hatte bereits vorher beim Passauer Wolf gearbeitet. Der Wechsel in die generalistische Pflegeausbildung fiel mir deshalb zum Glück leicht, auch dank der Unterstützung und der Ermutigung, die ich durch das Team in der Pflege erfahren habe. Mit der Ausbildung habe ich eine neue Perspektive gefunden und freue mich schon darauf, mich fortzubilden und weiterzuentwickeln. Dank der interdisziplinären Betreuung der Reha-Patienten beim Passauer Wolf Bad Gögging erhalte ich bereits in der Ausbildung Einblicke in verschiedene Fachbereiche. Verbunden mit Außeneinsätzen in Krankenhäusern und Pflegeheimen entwickle ich so einen ganzheitlichen Blick auf den Genesungsverlauf der Patienten. Das hilft mir auch, mich später für eine Spezialisierung zu entscheiden.“