Medizinische Reha zahlt sich aus

Eine aktuelle Studie der AOK Baden-Württemberg, der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg (DRV) und des Instituts für Rehabilitationsmedizinische Forschung an der Universität Ulm belegt den erheblichen volkswirtschaftlichen Nutzen orthopädischer Rehabilitation bei Rückenschmerzen.

Das bedeutet in Zahlen: Rund 500 Millionen Euro können in einem Zeitraum von zwei Jahren durch die Rehabilita- tion chronischer Rückenschmerzen eingespart werden. Damit werden nicht nur die Gesundheitsausgaben gesenkt und die Steuer- und Beitragszahler in Deutschland entlastet. Die orthopädische Reha bei Rückenschmerzen führt, so das wis- senschaftliche Ergebnis, auch unmittelbar zu einem verbesserten und nachhaltigen Gesundheitszustand im Vergleich zu anderen Behandlungsformen.

Erstmals sind mit einer wissenschaftlich kontrollierten Vergleichsstudie die finanziell positiven Effekte von stationären Rehabilitationsmaßnahmen für die Volkswirtschaft nachgewiesen. Grundlage der Studie war ein neuer Ansatz des Instituts für Rehabilitationsmedizinische Forschung an der Universität Ulm (IFR Ulm), der es möglich machte, eine Kontrollgruppe von Nicht-Rehabilitanden zu bilden und zu untersuchen. Daneben bildeten Rehabilitanden der AOK Baden-Württemberg, der DRV Baden-Württemberg und der DRV Bund die andere repräsentative Vergleichsgruppe.

Weniger Gesundheitsausgaben

Die wissenschaftliche Studie macht deutlich, dass Menschen mit chronischen Rückenschmerzen nach einer Reha ihre Gesundheit wirkungsvoll und nachhaltig stabilisieren. In den ersten beiden Jahren nach Inanspruchnahme einer stationären Reha fehlen sie krankheitsbedingt 14 Tage weniger als diejenigen, die bei gleicher Diagnose auf eine Reha verzichtet haben. Die anfänglichen Mehrkosten durch die Reha werden später durch weniger Krankheitstage und Krankenhausbehandlungen in den folgenden zwei Jahren wieder mehr als ausgeglichen. Als auffallend erweisen sich in der Untersuchung auch die Unterschiede in der Beanspruchung ambulanter und stationärer Leistungen. In dem dreijährigen Beobachtungszeitraum liegen die Ausgaben für akutstationäre Behandlungen bei Nicht-Rehabilitanden im Mittel um 1.652,72 Euro höher als bei den Reha-Patienten.

Zu einem positiven Ergebnis kamen die Wissenschaftler auch mit Blick auf den Eintritt in die Erwerbsminderungsrente. Ihr Fazit lautete: Die Rehabilitation chronischer Rü- ckenschmerzen verschiebt die Erwerbsminderungsrente im Mittel um 7,3 Monate. Das führt zu Einsparungen in Höhe von rund 8.500 Euro pro Fall. Bei rund 21.300 Zugängen in die Erwerbsminderungsrente mit orthopädischer Diagnose pro Jahr entspricht das einem Einsparvolumen von etwa 180 Millionen Euro pro Jahr.

Politik muss Potenzial von Reha fördern

Der wissenschaftliche Nachweis, dass Reha nicht nur einen volkswirtschaftlichen Beitrag leistet, sondern auch ein vor- zeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben verhindern kann und somit Altersarmut entgegenwirkt, ist erbracht. Nun sind Politik und Unternehmen gefordert. Dazu gehört vor allem, die gesetzlichen Rahmenbedingungen an die aktuellen He- rausforderungen anzupassen.

Die Kurzfassung der Studie „Nachweis der orthopädischen Rehabilitation chronischer Rückenschmerzen anhand eines neuen Kontrollgruppenvergleichs“ kann hier nachgelesen werden.