IT in der Reha

Jetzt könnte der Knoten platzen - Mit dem kürzlich verabschiedeten Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG) könnte die Digitalisierung der Reha-Einrichtungen an Tempo gewinnen. Der BDPK hat sich dazu im Juli mit seinen Mitgliedskliniken und anderen Reha-Verbänden beraten. BDPK-Vorstandsmitglied Ellio Schneider sieht eine positive Entwicklung.

Dass das deutsche Gesundheitswesen bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich hinterherhinkt, mag zutreffen, doch in vielen Vorsorge und Reha-Einrichtungen zeigt sich ein ganz anderes Bild: elektronische Patientenakte, Therapiepläne als App, E-Schulungen für Mitarbeiter und Patienten, Virtual-Reality-Brillen und Gangroboter in der Therapie. E-Health gehört längst zum Alltag in der Reha-Landschaft und ist weiter verbreitet, als manche es annehmen, denn in den Kliniken läuft der Digitalisierungsprozess mit Hochdruck. Doch das gelingt nicht allen Einrichtungen gleich gut, weil einige die nötigen Investitionen aufgrund der seit Jahren sehr niedrigen und von den Krankenkassen diktierten Vergütungssätze kaum stemmen können.

Der BDPK setzt sich deshalb schon seit Jahren intensiv dafür ein, dass die Vorsorge und Reha-Einrichtungen besser in den Ausbau der digitalen Infrastruktur einbezogen werden und dafür auch ausreichend finanzielle Unterstützung bekommen. Wie nötig der Einsatz des Verbandes ist, zeigte sich kürzlich wieder bei dem von der Bundesregierung zusammengestellten Konjunkturprogramm „Zukunftsprogramm Krankenhäuser“. Knapp drei Milliarden Euro sind für Krankenhäuer eingeplant, unter anderem zur Förderung der digitalen Infrastruktur und IT und Cybersicherheit. Das klingt gut, doch die Vorsorge und Rehabilitationseinrichtungen wurden im Entwurfspapier mit keinem Wort erwähnt. Deshalb richtete der BDPK im Juni den dringenden Appell an die Bundesregierung, auch die Vorsorge und Reha in das Konjunkturpaket aufzunehmen. Nur so könne der Ausbau der digitalen Infrastruktur bruchlos gelingen, denn die gesundheitliche Versorgungskette funktioniert nur, wenn auch alle Einrichtungen an der digitalen Infrastruktur teilhaben.

Mit guten Argumenten in die Verhandlungen

Eingang gefunden haben viele der BDPK-Positionen in das im Juli verabschiedete Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG). Das Gesetz regelt ausdrücklich auch die Anbindung der Vorsorge und Reha-Einrichtungen an die Telematikinfrastruktur und in § 381 PDSG sogar die Finanzierung der entstehenden Ausstattungs- und Betriebskosten. Zumindest im Grundsatz, denn wie der Ausgleich der Kosten konkret umgesetzt wird, soll nach dem PDSG zwischen dem GKV-Spitzenverband und der Deutschen Rentenversicherung Bund einerseits sowie den für die Wahrnehmung der Interessen der Vorsorge und Reha-Einrichtungen maßgeblichen Bundesverbände andererseits verhandelt werden. Bis zum 1. Oktober 2020 soll laut Gesetz eine Vereinbarung vorliegen, deshalb ist Eile geboten. Auf Initiative des BDPK-Fachausschusses Rehabilitation wurde kurzfristig eine Facharbeitsgruppe „Reha IT“ aus Vertretern der Mitgliedskliniken einberufen, die Mitte Juli bereits getagt hat. Arbeitsgrundlage waren die Ergebnisse einer Kurzabfrage zur Klinikpraxis und den verwendeten Reha-Informationssystemen. Ende Juli beriet der BDPK-Fachausschuss Reha auch schon die entwickelten Vorschläge und ein Austausch mit den anderen Reha-Verbänden wurde ebenfalls organisiert. Maßgeblichen Anteil an den Vorbereitungen und Abstimmungen hat Ellio Schneider, Geschäftsführer der Waldburg-Zeil Kliniken und BDPK-Vorstandsmitglied sowie Vorsitzender des BDPK-Fachausschusses Rehabilitation. Er sieht die Entwicklung auf dem richtigen Weg.

Es mangelt an einheitlichen Standards

„Wir arbeiten schon lange an dem Thema und es sieht so aus, als könnte jetzt endlich mal der Knoten platzen“, hofft Ellio Schneider. Der Verband habe zwar schon einen guten Überblick vom IT-Entwicklungsstand in den Reha-Einrichtungen, aber es sei jetzt wichtig, es genau zu wissen und ein möglichst breites Spektrum abzubilden. „Deshalb war uns die Abstimmung im Kollegenkreis so wichtig“, kommentiert Schneider die bisherigen Beratungen unter dem Dach des BDPK. Bestätigt wurde dabei vor allem die Erkenntnis, dass der größte Mangel einheitliche Standards sind. Schneider: „So viele Krankenkassen es gibt, so viele unterschiedliche Anforderungen gibt es auch.“ Es würden Systeme vieler unterschiedlicher Hersteller genutzt, stattdessen wäre eine einheitliche Branchenlösung wünschenswert. „Das macht es nicht nur für die Kliniken einfacher, sondern kann auch noch die Therapien verbessern, mehr Transparenz schaffen und erhebliche Kosten sparen“, ist sich Schneider sicher. Trotz der positiven Aussichten, die das PDSG für die IT-Entwicklung in der Reha geschaffen hat, sieht er Anlass für Kritik in Richtung Politik: „Digitalisierung ist wahrhaftig schon lange kein Neuland mehr. Es ist bedauerlich, dass wir in der Medizin und vor allem in der Reha erst jetzt auf dem Weg sind, den Anschluss zu finden. Die Politik sollte nicht immer alles perfekt bis ins letzte Detail regeln wollen. Weniger grüner Tisch und mehr Vertrauen in die Akteure und die Praxis würden dem System sehr gut tun!“