Innovationsfonds für Reha-Projekte

Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss fördert Projekte zur Weiterentwicklung der rehabilitativen Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Ein Projekt der Medizinischen Hochschule Hannover wurde als förderwürdig erklärt. Es dient der verbesserten Versorgung von Patienten und Patientinnen mit besonders komplexen Störungen durch Reha-Kompetenz-Centren mit Expertenteams.

Im Rehabilitationsprozess werden oftmals zwei Versorgungslücken deutlich: zwischen der Behandlung in einem Akutkrankenhaus und der medizinischen Rehabilitation sowie nach einer medizinischen Rehabilitation.

Nach einem gravierenden Ereignis, zum Beispiel nach einem Unfall oder nach schwerer Krankheit, benötigen Betroffene bereits im Übergang zur Anschlussrehabilitation eine kompetente und individuelle Behandlungs- und Rehabilitationsplanung. Nur so kann ein optimaler rehabilitativer Verlauf und schließlich eine adäquate Teilhabe sichergestellt werden. Patientinnen und Patienten, die zunächst nicht als rehabilitationsfähig eingestuft werden, kommen oftmals ohne individuellen Behandlungsplan, in die Kurzzeitpflege. In Erwartung einer weiteren Rekonvaleszenz wird eine mögliche Rehabilitation auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Zudem zeigen sich in der hausärztlichen Versorgung nach Durchlaufen einer klassischen medizinischen Rehabilitation aufgrund der Komplexität der Fälle noch verbliebene funktionelle Defizite sowie Verbesserungsmöglichkeiten in den verschiedenen ICF-Kategorien im Alltag (Selbständigkeit, Mobilität, Arbeit, Kommunikation usw.). Angebote adäquater Hilfestellungen oder ein weiterführender individueller Behandlungsplan werden zumeist nicht ausgeschöpft. Auch von Seiten der Leistungsträger ergeben sich bei komplizierten Fällen häufig Fragen nach einem möglichen weiteren Rehabilitationsbedarf, nach den Erfolgschancen einer Rehabilitation oder die alternative Frage nach anderen erfolgversprechenden Therapien.

Intradisziplinäre Teams optimieren die Reha

Knapp 2,5 Millionen Euro steht der von Prof. Christoph Gutenbrunner geleiteten Klinik für Rehabilitationsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) für die Durchführung des Projekts „RehaKompetenz“ fortan zur Verfügung. Der Fokus des Projekts liegt auf der Nutzung der Expertise und des Zusammenwirkens intradisziplinärer Teams, in denen Fachkräfte aus den Bereichen der ärztliche Versorgung, der Physiotherapie, Ergotherapie, Psychologie und Sozialarbeit gemeinsam die Behandlung der betroffenen Menschen verbessern wollen. Hierzu werden RehaKompetenz-Centren (RKC) in fünf Kliniken eingerichtet, in denen jeweils ein Expertenteam angesiedelt ist. Neben der Klinik für Rehabilitationsmedizin der MHH gehören dazu: das Unfallkrankenhaus Berlin, das Betriebsgenossenschaftliche Klinikum Hamburg sowie die Kliniken Münsterland und Bad Bramstedt. Das Projekts evaluiert Prof. Thorsten Meyer von der Universität Bielefeld.

Übergänge verbessern

Ziel des Projektes ist zum einen, den Übergang vom Akutkrankenhaus in die weitere Versorgung zu optimieren. Zum anderen gilt es, auch die von den verschiedenen Trägern im Gesundheitssystem finanzierten, womöglich bereits teilweise in Anspruch genommenen Leistungen, zusammenzuführen.

Die Zielgruppe sind Betroffene mit komplexen Gesundheitsstörungen. Gemeint sind Patienten mit schweren strukturellen Schädigungen in einzelnen Körperbereichen (zum Beispiel nach Schlaganfall, Majoramputation, Organtransplantation), nach Krebserkrankungen oder mit verbleibenden Einschränkungen bei Aktivitäten und Teilhabe in mehreren Lebensbereichen trotz vorausgegangener Reha. Diese Personen erhalten in den RKC einen Tag lang individuelle Diagnostik durch das gesamte Team. Im Anschluss erfolgt eine fundierte Empfehlung zur weiteren Behandlung und notwendigen Reha-Leistungen. Abgerundet wird das Angebot durch eine telemedizinische Beratung zur Klärung des Teilnahmebedarfs sowie zur Unterstützung des behandelnden Fachpersonals bei Fällen, die keiner intensiven Diagnostik bedürfen.

An dem Projekt können alle gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten mit komplexen Gesundheitsstörungen teilnehmen. Die Anmeldung kann sowohl durch die niedergelassene Ärzteschaft als auch durch das behandelnde Akutkrankenhaus erfolgen. Projektstart ist im Sommer 2019. Die RKC beginnen Anfang 2020 mit ihrer Arbeit. Interessierte können sich an den verantwortlichen Oberarzt der Klinik für Rehabilitationsmedizin der MHH, Dr. Christian Sturm (sturm. christian@mh-hannover.de), oder an die Leiterin der Rehabilitationsforschung, Dr. Juliane Briest (briest.juliane@mh- hannover.de), wenden.