Fachkonferenz zur Eltern-Kind-Vorsorge und -Reha

"Qualität in der Vorsorge und Rehabilitation für Mütter/Väter und Kinder - lohnt sich das?" war das Thema der vom BDPK ausgerichteten Fachkonferenz, die am 24. Oktober in Berlin stattgefunden hat.

Im Fokus der Fachkonferenz stand ein Gutachten von der „aktiva Beratung im Gesundheitswesen GmbH“, zu der Frage, „Was kostet die Vorsorge- und Rehabilitationsleistung in Mutter-/Vater-Kind-Einrichtungen?“. Das Gutachten zeigt, dass die heute üblichen Tagessatzhöhen deutlich unter einem ermittelten sachgerechten Vergütungssatz liegen.

Auf der Fachkonferenz diskutierten Experten aus der Wissenschaft, Vertreter der Leistungserbringer, Politik und Kostenträger über die Frage, wie eine faire Vergütung von Vorsorge- und Reha-Maßnahmen für Mütter/Väter und Kinder realisiert werden kann. Nachdem Thomas Bruns, Vorsitzender der BDPK-Facharbeitsgruppe Vorsorge und Rehabilitation für Mütter/Väter und Kinder und geschäftsführender Gesellschafter der Friesenhörn-Nordsee-Kliniken GmbH die Konferenz eröffnet hatte, stellte Agnes Zimolong von der „aktiva Beratung im Gesundheitswesen GmbH“ das aktuelle Gutachten vor. Die Untersuchungen fußen auf einer Musterklinik mit 250 Betten und einer 95-prozentigen Auslastung. Die Kalkulation der einzelnen Kostenarten basiert auf etablierten Qualitätsstandards, strukturellen Vorgaben der Krankenkassen für den Bereich der Eltern-Kind-Maßnahmen sowie auf marktüblichen Kostenstrukturen. Ergebnis des Gutachtens ist, dass Gesamtkosten in Höhe von 105,96€ pro Belegungstag entstehen. Die aktuell üblichen Tagessatzhöhen liegen jedoch bei etwa zwei Dritteln dieser Summer. Eltern-Kind-Maßnahmen sind demnach chronisch unterfinanziert.

Dass Vorsorge und Reha-Maßnahmen für belastete Mütter und Väter aber dringend benötigt werden, machte Prof. Dr. Siegfried Geyer, Leiter der Forschungs- und Lehreinheit Medizinische Soziologie der Medizinischen Hochschule Hannover, in seinem Vortrag deutlich. Er untersucht Befragungsergebnisse und Analysen von GKV-Routinedaten. Diese zeigen eindeutig, dass sich das subjektive Gesundheitsgefühl der Patienten nach einem Reha-Aufenthalt im Vergleich zum Aufnahmezeitpunkt deutlich verbessert hatte. Gleichzeitig sanken die AU-Zeiten sowie der Medikamentenverbrauch. Hannah Janßen, Geschäftsführerin der Friesenhörn-Nordsee-Kliniken GmbH, Jever, bestätigte die Zahlen Prof. Geyers aus der Praxissicht. Dass Vorsorge und Reha wirken sei kein Geheimnis. Problematisch ist jedoch, dass die Maßnahmen nicht leistungsgerecht vergütet werden. Dadurch ist es eine große Kraftanstrengung für Vorsorge - und Reha-Einrichtungen, trotz der Unterfinanzierung stets eine hohe Behandlungsqualität für ihre Patientinnen und Patienten aufrecht zu erhalten. Weil nur eine qualitativ hochwertige Vorsorge- oder Rehabilitations-Maßnahme die für den Patienten beste Behandlung möglich macht, ist eine Anpassung der Vergütung, gerade bei Eltern-Kind-Maßnahmen dringend nötig. Ähnlich sah dies auch Margot Jäger, Geschäftsführerin Katholische Arbeitsgemeinschaft für Müttergenesung und stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende des Deutschen Müttergenesungswerkes – Elly-Heuss-Knapp-Stiftung. Sie forderte, dass Qualität und Vergütung nicht unabhängig voneinander betrachtet werden dürfen.

Bernd Beyrle, Leiter des Fachbereichs Stationäre Versorgung bei der Techniker Krankenkasse beurteilte das aktiva-Gutachten als eine gute Diskussionsgrundlage. Eine Herausforderung sieht er darin, dass die Krankenkassen untereinander im Wettbewerb stehen und Qualität und Wirtschaftlichkeit in Einklang bringen müssen. Darüber hinaus kritisierte er das aktuelle Qualitätssicherungsverfahren, das aus Sicht der Krankenkasse nicht die nötige Transparenz mit sich bringen würde, um die QS-Ergebnisse unmittelbar vergütungsrelevant werden zu lassen.

Ehrengast der Konferenz war die ehemalige Bundesgesundheitsministerin und jetzige Vorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V. Ulla Schmidt MdB. Mit ihrer Forderung nach einer ärztlichen Direktverordnung für Vorsorge- und Reha-Maßnahmen für Mütter, Väter und Kinder erntete sie spontanen Beifall. Gleichzeitig betonte sie, wie wichtig Eltern-Kind-Maßnahmen besonders für sozial benachteiligte Familien und Familien mit Kindern mit Behinderungen seien. Gerade hier müsse der Zugang zu den Leistungen noch deutlich verbessert werden. Außerdem machte sie deutlich, dass Eltern-Kind-Maßnahmen nicht unterschätzt werden dürften, sie seien eine nachhaltige Investition in die Zukunft der Gesellschaft. 

Hier finden Sie die Vorträge der Fachkonferenz:

Agnes Zimolong, aktiva Beratung im Gesundheitswesen GmbH: "Gutachten - Was kostet die Vorsorge-/Rehabilitationsleistung in Mutter-/Vater-Kind-Einrichtungen?"

Prof. Dr. Siegfried Geyer, Leiter der Forschungs- und Lehreinheit, Medizinische Soziologie der Medizinischen Hochschule Hannover: "Vorsorge- und Reha-Maßnahmen für Mütter, Väter und Kinder - Haben sie die gewünschte Wirkung?"

Hannah Janßen, Geschäftsführerin der Friesenhörn-Nordseekliniken GmbH, Jever: "Qualitätsoffensive Vorsorge und Rehabilitation für Mütter/Väter und Kinder - was zeigt uns QS-Reha auf?"

Margot Jäger, Geschäftsführerin Katholische Arbeitsgemeinschaft für Müttergenesung und stv. Kuratoriumsvorsitzende des Deutschen Müttergenesungswerks - Elly-Heuss-Knapp-Stiftung: "Leistungsgerechte Vergütung aus Sicht des Müttergenesungswerks"

Bernd Beyrle, Leiter des Fachbereichs Stationäre Versorgung bei der Techniker Krankenkasse: "Leistungsgerechte Vergütung aus Sicht der GKV"