Erster Qualitätsvertrag geschlossen

Mit dem bundesweit ersten Qualitätsvertrag nach § 110 a SGB V zur Beatmungsentwöhnung (Weaning) beweisen die Karl-Hansen-Klinik Bad Lippspringe und die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK), wie es gelingt, Versorgungslücken über Sektorengrenzen hinweg zu schließen. Ein Praxisbericht von Achim Schäfer, Geschäftsführer der Karl-Hansen-Klinik Bad Lippspringe, und Martin Spegel, Fachgebietsleiter Stationäre Versorgung, SBK - Siemens-Betriebskrankenkasse.

Etwa 30.000 Menschen werden in Deutschland zu Hause oder in speziellen ambulanten Einrichtungen invasiv beatmet. Die Zahl der Betroffenen wird künftig weiter steigen. Studien legen aber nahe, dass rund 60 bis 70 Prozent dieser invasiv beatmeten Menschen nach einer Behandlung in einem spezialisierten Weaningzentrum ohne invasive Beatmung entlassen werden könnten.

Viele künstlich beatmete Patienten werden aber dieser spezialisierten Behandlung nicht zugeführt oder dort bei Verbesserung des Gesundheitszustandes nicht wieder vorgestellt. Hier setzt der erste Qualitätsvertrag zur Beatmungsentwöhnung an, den die Karl-Hansen-Klinik in Bad Lippspringe mit der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) geschlossen hat. Klinische Beatmungsspezialisten beurteilen dabei gemeinsam mit den betreuenden niedergelassenen Ärzten, ob ein Entwöhnungsversuch Erfolg versprechend sein kann. Dies erfolgt im Rahmen einer Voruntersuchung, die vom niedergelassenen Arzt leitliniengestützt zu Hause oder in der ambulanten Beatmungseinrichtung stattfindet und in einer anschließenden telefonischen Fallkonferenz. Bis zu dieser Entscheidung bleibt der Patient also in seinem gewohnten Umfeld. Dann allerdings kann die Erfolg versprechende Aufnahme in einem Weaningzentrum zur Beatmungsentwöhnung eingeleitet werden.

Möglich wurde dieser Vertrag durch den 2017 in Kraft getretenen § 110 a SGB V, der Qualitätsverträge und gezielte Qualitätsinvestitionen ermöglicht, die nach einem Erprobungszeitraum auch wissenschaftlich evaluiert werden. Der Vertrag ist für alle interessierten Kliniken und Krankenkassen geöffnet. Das Interesse an Vertragsbeitritten ist bereits groß.