DRV: Seminar zur Qualitätssicherung

Die externe Qualitätssicherung der Deutschen Rentenversicherung (DRV) ist in Bewegung. Zum laufenden Prozess gehören die qualitätsorientierte Belegungssteuerung und die Einführung eines bundeseinheitlichen strukturierten Qualitätsdialogs. Darüber hinaus werden die Instrumente der externen Qualitätssicherung ständig überarbeitet und aktualisiert.

So will die Deutsche Rentenversicherung beispielsweise untersuchen, wie sich die Beschaffenheit des Arbeitsmarkts und bestimmte Eigenschaften der Rehabilitanden auf den sozialmedizinischen Verlauf nach Reha-Maßnahmen auswirken. Nach Einführung einer Risikoadjustierung soll über den Faktor „sozialmedizinischer Verlauf“ dann die Ergebnisqualität stärker in das Reha-Bewertungssystem integriert werden. Die Bedeutung all dieser Entwicklungen zeigt sich auch im großen Interesse der Reha-Einrichtungen an Informations- und Schulungsangeboten zur Qualitätssicherung. Ein gemeinsames Seminar der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV Bund) und des Instituts für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen (IQMG GmbH) Anfang März in Berlin war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Es informierte über wichtige Neuerungen in der externen Qualitätssicherung und gab praxisnahe Unterstützung zur korrekten Klassifikation therapeutischer Leistungen für die medizinische Rehabilitation (KTL).

Die KTL wird seit 1997 in der Routine der Reha-Qualitätssicherung der Rentenversicherung eingesetzt. Sie dient dazu, das therapeutische Leistungsspektrum der Reha-Ein-richtungen zu dokumentieren, zu bewerten und auch unter inhaltlichen Gesichtspunkten zu analysieren. Der korrekten Dokumentation der Leistungen durch die Reha-Einrichtungen kommt besondere Bedeutung zu. Nur auf dieser Basis können exakte, der Realität entsprechende Rückmeldungen durch die Rentenversicherung erfolgen und faire Einrichtungsvergleiche vorgenommen werden. Anke Mitschele (Bereich Reha-Qualitätssicherung, Epidemiologie und Statistik der DRV Bund) und Peter Missel (Leitender Psychologe der MEDIAN Kliniken Daun) verdeutlichten während der eintägigen Schulung, welche Zusammenhänge, aber auch Unterschiede zwischen der KTL-Klassifikation und anderen QS-Instrumenten wie den Reha-Therapiestandards bestehen. Sie diskutierten mit den Teilnehmern anhand von Beispielen, wie die therapeutischen Leistungen des komplexen Reha-Geschehens einer Reha-Fachabteilung nachvollziehbar kodiert werden können.

Drei KTL-Kennzahlen geben dabei bislang einen orientierenden Rahmen der Leistungserbringung vor, bezogen auf die Therapiedichte (Leistungsdauer und -menge) und die multimodulare Leistungserbringung (Leistungsverteilung). Die therapeutische Versorgung wird dann als optimal angesehen, wenn die drei KTL-Teilkennzahlen bei allen Rehabilitanden im indikationsbezogen vorgegebenen Zielkorridor liegen. Punktabzüge gibt es sowohl bei Unter- als auch bei Überschreitung der Zielkorridore. Der BDPK und weitere Leistungserbringerverbände kritisieren die scharfen Grenzen am oberen Korridorrand: Ein Mehr an Leistungen sollte nicht so stark wie eine Unterschreitung des Zielkorridors abgestraft werden. Diese Problematik ist auch der DRV bekannt, wie Anke Mitschele während des Seminars berichtete. Deshalb ist eine entsprechende Überarbeitung der Korridore der KTL-Klassifikation bereits geplant.

Die einrichtungsübergreifende standardisierte Qualitätssicherung schafft Transparenz und Vergleichbarkeit der rehabilitativen Leistungen verschiedener Reha-Indikationen. Anke Mitschele und Peter Missel gaben aber zu bedenken, dass mit einer Standardisierung und Operationalisierung der Qualitätssicherung auch die Gefahr einer zu starken Vereinheitlichung der Reha-Angebote verbunden sein könnte. Der Appell an die Reha-Einrichtungen: Die am individuellen Bedarf des Rehabilitanden orientierte Therapieplanung, die spezifischen Einrichtungskonzepte sowie Investitionen in Innovationen sollen aufrechterhalten beziehungsweise weiterentwickelt werden. Die Ergebnisse der externen Qualitätssicherung dienten den Reha-Einrichtungen auch für die interne Qualitätsentwicklung. Weiterentwicklungsbedarf der QS-Instrumente, Fragen und Problemfälle können jederzeit an die DRV Bund gerichtet werden.

Alle Befragungsinstrumente sowie Musterberichte können zudem auf www.deutsche-rentenversicherung.de, der Website der DRV Bund, eingesehen werden.