Betriebliches Gesundheitsmanagement: Investition in die Zukunft

Wir setzen unsere im Januar begonnene Interviewserie zum Thema "Betriebliches Gesundheitsmanagement in den Mitgliedskliniken" fort. In diesem Monat berichten Carsten Tietze, Geschäftsführer der Vamed Rehaklinik Schwedenstein und Vamed Klinik Schloss Pulsnitz, Peter Schmitz, Geschäftsführer der Charlottenhall Rehabilitations- und Vorsorgeklinik gGmbH, und Rudolf Bachmeier, BGM-Beauftragter der Johannesbad Gruppe, über wichtige Maßnahmen der Gesundheitsförderung und besondere Konzepte vor Ort.

Welchen Stellenwert hat das Betriebliche Gesundheitsmanagement in Ihren Reha-Kliniken und Hotels? Ist es Pflicht oder Kür Ihrer Personalpolitik?

Rudolf Bachmeier: „Gesundheit ist unser Leben!“ lautet das Motto der Johannesbad Gruppe und es gilt für unsere Kunden ebenso wie für unsere Beschäftigten. Deswegen spielt das BGM traditionell eine große Rolle. Wir  verstehen es als eine Selbstverständlichkeit für jeden  Arbeitgeber – auch in unserer Gruppe. Gerade im  Gesundheitswesen: Fachkräftemangel, flexible Arbeits zeiten – die Arbeit mit Menschen fordert unsere Mitarbeiter besonders intensiv.

Peter Schmitz: Betriebliches Gesundheitsmanagement  hat in unserer Personalpolitik einen sehr hohen Stellenwert. Das beginnt bereits bei der Einstellung eines Mitarbeiters. Unsere Betriebsärztin überprüft bei der Einstellungsuntersuchung unter anderem den Impfstatus und bleibt  während der Beschäftigung eine feste Ansprechpartnerin. Einmal im Vierteljahr findet außerdem die Ausschusssitzung für  Arbeitssicherheit statt. Hier trifft sich die Betriebsärztin mit dem Arbeitssicherheitsbeauftragten, der Fachkraft für Arbeitssicherheit, dem Klinikmanagement und einem Vertreter des Betriebsrats, um Arbeitsschutz und  BGM relevante Themen zu besprechen – unter anderem werden hier Statistiken und aktuelle Zahlen zu aufgetretenen  Arbeitsunfällen sowie die Ausfallstatistik der Mitarbeiter ausgewertet und es werden Möglichkeiten besprochen, diese zu reduzieren.

Carsten Tietze: Wenn wir die derzeitige Arbeitsmarktsituation betrachten und den sich immer weiter zuspitzenden Fachkräftemangel, dann ist ein attraktives Betriebliches Gesundheitsmanagement definitiv eine Pflicht in der Personalpolitik. Zu unserem Kursangebot der betrieblichen Gesundheitsförderung zählen die Rückenschule, Entspannungstechniken, Aquafit, eine professionelle Ernährungsberatung und vieles mehr. Betriebliches Gesundheitsmanagement heißt aber auch Zahlen, Daten, Fakten zu erheben, die richtigen Schlüsse abzuleiten und relevante Maßnahmen zu veranlassen. So nutzen wir den anonymisierten Gesundheitsreport der Krankenkassen, um unser Angebot noch besser an die individuellen Bedürfnisse unserer Mitarbeiter anzupassen. Gemeinsam mit dem Betriebsrat, dem Betriebsarzt und der Fachkraft für Arbeitssicherheit planen wir die notwendigen Maßnahmen. Dazu gehören zum Beispiel psychische Gefährdungsbeurteilungen oder Beratungen zur Ergonomie am Arbeitsplatz. Ein hoher Stellenwert kommt auch dem adäquaten Führungsverhalten der Vorgesetzten zu, deshalb schulen wir diese regelmäßig. Unsere Belohnung sind gesündere und leistungsfähigere Mitarbeiter und weniger Ausfälle. Davon profitieren beide Seiten.

Welche gesundheitsförderlichen Angebote stoßen bei den Beschäftigten auf besonders große Resonanz und welche eher nicht?

Peter Schmitz: Bedingt durch das Solevorkommen in der Stadt Bad Salzungen und das ortsansässige Gradierwerk haben die Mitarbeiter mit einem von uns finanzierten Ausweis die Möglichkeit, täglich die Freiluftinhalation an der Saline zu nutzen. Diese Inhalationen wirken atem befreiend, sekretlösend, beugen Erkältungskrankheiten vor und stärken das Immunsystem. Außerdem können die Mitarbeiter das klinikeigene Schwimmbad und die Sauna kostenlos nutzen. Nach dem Motto „Von Mitarbeitern für Mitarbeiter“ gibt es Kurse unserer Sporttherapeuten für  interessierte und bewegungswillige Kollegen. Jedes Jahr im August tritt das Team unserer Klinik beim Thüringer Wald Firmenlauf in der Rennsteig-Arena Oberhof an. Die Teilnahme an diesem Event soll den Spaß am sportlichen Wettbewerb sowie Teamgeist und Gemeinschaftsgefühl fördern. Das Konzept geht auf, denn viele Mitarbeiter fiebern diesem Firmenevent entgegen.

Carsten Tietze: In der Praxis haben sich themenspezifische Veranstaltungsreihen mit jährlich wechselnden Schwerpunkten bewährt. 2017 war das „Jahr des gesunden Rückens“, 2018 das „Jahr der gesunden Ernährung“. Verteilt über zwölf Monate bieten wir umfassende Informationsangebote an, mit Vorträgen und Workshops, und laden unsere Mitarbeiter immer wieder in aktiven Einheiten zum Mitmachen ein. Die Finanzierung derartiger Angebote ist fester Bestandteil unseres Haustarifvertrages. Für die Gesundheitsförderung gibt es ein separates Budget. Die besonders Sportbegeisterten, zu denen ich auch gehöre, sind häufig im regionalen Vereinsleben aktiv und präsentieren unser Haus regelmäßig bei großen Laufsportevents. Sie laufen Marathons oder kicken im Fußballverein, einige sind Mitorganisatoren verschiedener Veranstaltungen. Da steckt so viel Energie drin, was mich immer wieder sehr beeindruckt.

Rudolf Bachmeier: Regelmäßig und gerne nutzen unsere Kollegen Laufgruppen und Sportkurse mit unseren Therapeuten, Gesundheitstage sowie Konfliktbewältigungstrainings. Für 2019 haben wir ein neues Projekt initiiert. Wir machen Mitarbeiter fit für einen Marathon, der auf Mallorca stattfindet. Dafür trainieren sie nach individuellen Trainingsplänen mit festen Meilensteinen. Pate dafür ist Werner Weißenberger, Vorstand der Johannesbad Gruppe, ehemaliger Leistungssportler und begeisterter Läufer. Außerdem nutzen bereits einige Firmenfahrräder statt eines Dienstwagens oder leihen sich Räder für kurze Wege am Standort. Darüber hinaus rücken wir die gesunde Ernährung noch stärker in den Mittelpunkt. Bereits jetzt setzen die Küchenchefs der verschiedenen Standorte auf „Gesund genießen“ – für Patienten wie Mitarbeiter.