BDPK-Aufruf an Krankenkassen

Capitation oder Kapitulation - Klappt es im zweiten Anlauf? Fast genau vor einem Jahr hatte der BDPK bundesweit Krankenkassen dazu eingeladen, in Modellregionen das innovative Versorgungskonzept „Regionale Gesundheitsbudgets“ gemeinsam zu erproben – ohne Reaktion. Angesichts der drängenden Herausforderungen kommt das Angebot jetzt erneut.

 

Zugegeben: Völlig neu oder gar revolutionär war der Vorschlag des BDPK im Juli 2019 nicht. Immerhin gibt es schon seit dem GKVNeuordnungsgesetz 1997 Möglichkeiten und Ansätze zur Integrierten Versorgung mit Strukturverträgen und Modellvorhaben, die damals allerdings zwingend an eine Genehmigung durch die Kassenärztliche Vereinigung gebunden waren. Und auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen hatte bereits 2009 in seinem Sondergutachten explizit die Entwicklung von populationsbezogenen ManagedCareModellen empfohlen, mit Verweis auf internationale Referenzprojekte, darunter in der Schweiz zu Beginn der 1990er Jahre. Der BDPK hat es also nicht (allein) erfunden. Capitation ist ein prospektives Vergütungssystem, bei dem die Krankenkassen durch eine im Voraus entrichtete Pauschale das finanzielle Risiko ganz oder teilweise auf die Leistungserbringer übertragen. Neu war und ist allerdings, dass der BDPK gemeinsam mit der Institute for Health Care Business GmbH (hcb) unter Federführung von Prof. Dr. Boris Augurzky konkrete Umsetzungsvorschläge erarbeitet und in einem Arbeitspapier zusammengefasst hat.

Danach wird im ersten Schritt der Status quo der Ausgaben für die stationären, teilstationären und ambulanten Behandlungsfälle der Krankenhäuser einer bestimmten Versorgungsregion ermittelt und um systembedingte Abschläge verringert. Das Ergebnis ist ein Budget für die Krankenhäuser, mit dem diese die Patientenversorgung flexibler nach den Patientenbedürfnissen ausrichten können. Auf diese Weise könnte die Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen sichergestellt und sogar dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden. Die häufig kritisierten Fehlanreize in der derzeitigen Krankenhausvergütung würden entfallen und die komplizierten Abrechnungsvorgaben könnten reduziert werden. Stattdessen würde die Qualität der erbrachten Leistungen stärker in den Fokus gerückt und der Wettbewerb unter den Kliniken bliebe gewahrt, weil die Patienten auch die benachbarten Krankenhäuser aufsuchen dürften. Verlaufen die Versuche erfolgreich, können später auch andere Versorgungsbereiche wie die ambulante ärztliche Versorgung und die medizinische Rehabilitation einbezogen werden. Der BDPK hofft, dass die Krankenkassen jetzt, unter dem Eindruck der Lehren aus der CoronaKrise, dazu bereit sind, das Modell zu erproben.