Auf dem Weg zu mehr Qualität?

Statt eines Preiswettbewerbs fordert der BDPK seit Langem den Qualitätswettbewerb in der medizinischen Reha. Nun startet die Deutsche Rentenversicherung im Januar mit dem Pilotprojekt "Qualitätsorientierte Belegung".

Der Bundesvorstand der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV Bund) fasste im März 2017 eine verbindliche Entscheidung für ein transparentes und diskriminierungsfreies Zulassungsverfahren sowie zur Auswahl der Rehabilitationseinrichtungen. Als Alternative zu den vom Bundesrechnungshof geforderten Ausschreibungen von Reha-Leistungen muss er nun seine wettbewerbsrechtskonforme Beschaffung der Reha-Leistungen nachweisen.
Im Rahmen einer zwölfmonatigen Machbarkeitsstudie wird die DRV ab Januar 2019 ihr neues Verfahren der Einrichtungsauswahl erproben. Einbezogen werden alle stationären orthopädischen Fachabteilungen, die von der DRV Bund, der DRV Baden-Württemberg und der DRV Oldenburg-Bremen belegt werden. Sowohl die Steuerung der Heilverfahren als auch die der Anschlussrehabilitation (mit Ausnahme der AHB-Steuerung durch die DRV Bund) in der Indikation Orthopädie werden im Jahr 2019 nach dem neuen System erfolgen. Nach Berücksichtigung des Wunsch- und Wahlrechts und sozialmedizinischer Auswahlkriterien (Haupt- und Nebendiagnosen, ggf. Sonderanforderungen) soll die Belegung von Reha-Einrichtungen in der Machbarkeitsstudie nach den Kriterien Qualität, Wartezeit, Preis und Entfernung erfolgen. Der sogenannte „Parameter Qualität“ setzt sich aus den Ergebnissen des externen Qualitätssicherungsverfahrens der Rentenversicherung zur Behandlungszufriedenheit, zum subjektiven Behandlungserfolg, zur therapeutischen Versorgung und zur Einhaltung der Reha-Therapiestandards zusammen.

Die Gewichtung der Kriterien unterscheidet sich dabei zwischen der DRV Bund (Qualität: 30 Prozent, Wartezeit: 25 Prozent, Preis: 15 Prozent, Entfernung: 11 Prozent, fakultative Sonderanforderungen/Nebendiagnosen: 19 Prozent) und den Regionalträgern (Qualität: 70 Prozent, Wartezeit: 20 Prozent, Preis: 10 Prozent; die Berücksichtigung der individuellen Transportfähigkeit im Hinblick auf die Entfernung zum Wohnort erfolgt einzelfallbezogen und wird nicht berücksichtigt). Aufgrund technischer Umsetzungsprobleme hatte sich die DRV Bund kurzfristig vor dem Start der Machbarkeitsstudie für eine abweichende Gewichtung entschieden. Diese Modifizierung hatte insbesondere bei den Verbänden der Leistungserbringer und den Reha-Einrichtungen für Unverständnis gesorgt. War doch die stärkere Berücksichtigung von Qualitätskriterien bei der Belegungssteuerung eine langjährige Forderung der Leistungserbringer. Der BDPK wird die Machbarkeitsstudie aufmerksam begleiten und sich weiter für die Etablierung eines tatsächlichen Qualitätswettbewerbs einsetzen.