Appell zu Mut und Zuversicht

Die Überwindung der Corona-Krise fordert alle gesellschaftlichen Kräfte. Die BDPK-Präsidentin appelliert deshalb an alle Verantwortlichen, sich auf eine sachliche, verantwortungsbewusste Analyse zu konzentrieren und nachvollziehbare, gut begründete Entscheidungen für die Zeit nach der Krise zu treffen.

BDPK-Präsidentin Dr. Katharina Nebel

In diesen ungewissen Zeiten ist es kaum möglich, brauchbare Empfehlungen oder Prognosen abzugeben. Zu viele Fragen sind noch offen und einige wohl auch noch gar nicht gestellt worden. Dennoch erscheint es mir wichtig, heute zumindest schon zwei Dinge zu tun: Zum einen denen zu danken, die uns bisher vor einem Zusammenbruch bewahrt haben und zum anderen daran zu appellieren, auch und gerade jetzt eine gemeinsame verantwortungsvolle Gesellschaftsgestaltung im Blick zu behalten.

Zweifellos gehört es zu den positiven Erfahrungen der letzten Monate, dass die Wertschätzung für diejenigen gewachsen ist, die durch ihre Arbeit die Menschen am Leben und die Gesellschaft am Laufen gehalten haben. Ob in Krankenhäusern, Vorsorge- und Reha-Einrichtungen oder Arztpraxen, in Pflegeheimen oder Supermärkten, im Transportwesen und öffentlichen Nahverkehr, im Wasserwerk oder bei der Müllabfuhr. Sie alle erhielten bis vor kurzem nur wenig öffentliche Anerkennung, heute sind sie zurecht „Helden des Alltags“. Das gilt auch für die vielen freiwilligen Helfer und alle anderen Berufsgruppen, die dem Infektionsrisiko zum Trotz einfach geholfen haben. Dank und großen Respekt verdienen aber auch die Bürgerinnen und Bürger, die bei den angeordneten Einschränkungen sehr viel Disziplin und Einsicht zeigten, die zahllose konkrete Hilfeleistungen in der Nachbarschaft erbracht oder sich an gemeinwohlorientierten Aktionen beteiligt haben. Und danken sollten wir auch der Politik, den Wissenschaftlern und den Verantwortlichen der Selbstverwaltungen, die im internationalen Vergleich bisher ein hervorragendes Krisenmanagement geleistet haben.

Die gegenwärtige Krise zeigt uns wieder einmal: Deutschland ist vergleichsweise gut aufgestellt und aktuellen wissenschaftlichen Rankings zufolge das sicherste und stabilste Lande der Welt. Trotzdem regt sich in der öffentlichen Debatte zunehmend Widerspruch: Die ökonomische Ausrichtung sei Ursache für Probleme im Gesundheitswesen und dafür, dass wir zu wenig Personal, zu wenig Ausrüstung und zu geringe Notfallkapazitäten hätten. Die Lösung sei die Hinwendung zu einem „Infrastruktursozialismus“. Diese Kritiker ignorieren nicht nur den offensichtlich guten Zustand unseres Gesundheitssystems, sie übersehen auch einige Fakten: Zu wenig Intensivbetten haben und hatten wir augenscheinlich nicht. Für die zentrale Beschaffung von Schutzkleidung liegt die Federführung nicht im Markt, sondern in Bundesministerien. Und dafür, dass es an Pflegekräften mangelt, gibt es zahlreiche Ursachen, die Marktmechanismen sind sicherlich die geringsten. Zudem hilft ein Blick auf die aktuellen Maßnahmen: Die Bundesregierung hat bisher wirtschaftlich hervorragend reagiert und mehr als 1.000 Milliarden Euro an finanzieller Unterstützung für Deutschland bereitgestellt. Der Schutzschirm für die Kliniken umfasst weniger als ein Prozent der gesamten Leistungen, etwa 2,8 Milliarden Euro aus Bundesmitteln und fünf Milliarden Euro von den Krankenkassen. Es darf bezweifelt werden, ob das im Infrastruktursozialismus mit rein staatlich geführten Krankenhäusern weniger gewesen wäre.

Nichts ist perfekt, das stimmt. Aber wir sollten zunächst einmal dankbar sein für die Verhältnisse in unserem Land. Und dann natürlich offen darüber reden, wie es in der Zeit nach Corona weitergeht. Dabei sollten wir uns auf die jetzt gewonnene Erkenntnis besinnen, dass politischer Mut nicht bestraft, sondern belohnt wird. Wenn sie nachvollziehbar und gut begründet sind, werden auch unbequeme Entscheidungen von viel mehr Menschen akzeptiert als angenommen. Zwar ist die Krise noch nicht überwunden und ob die Maßnahmen reichen, wissen wir heute noch nicht. In einigen Bereichen sind die Lösungen auch noch nicht ausgereift oder bereits Erreichtes steht wieder in den Sternen, wie etwa die schon von der Bundesregierung beschlossenen Verbesserungen für die Reha-Kliniken. Aber der bisherige Umgang mit der Krise sollte uns Zuversicht geben. Ganz offensichtlich sind wir auch unter schwierigsten Bedingungen zu einer reflektierten, verantwortungsbewussten und gemeinsamen Gesellschaftsgestaltung fähig. Lassen Sie uns daran festhalten und miteinander weitermachen!