Was soll der Geiz?

Herr Bublitz hat mir an dieser Stelle das Wort überlassen, denn bei uns - den Vorsorge- und Reha-Kliniken für Mütter/Väter und Kinder - geht es buchstäblich um alles.

Thomas Bruns

Es geht um mehr als wirtschaftlichen Druck, Existenzsorgen und die Mängel im System, die ja nahezu alle Akteure im deutschen Gesundheitssystem beklagen. „Alles“ heißt für uns, dass über die bekannten Unzulänglichkeiten hinaus bei den Vorsorge- und Reha-Maßnahmen für Mütter/Väter und Kinder der zentrale Leitsatz der deutschen Gesundheitspolitik ad absurdum geführt wird, denn bei uns soll die Qualität abgeschafft werden.

Das machen zwei Tatsachen deutlich. Erstens klafft zwischen der betriebswirtschaftlich notwendigen und der tatsächlich von den Krankenkassen gezahlten Vergütung eine riesige Lücke, wie das jüngst veröffentlichte „aktiva“ Experten-Gutachten zeigt. Aber damit nicht genug: Bis auf wenige Ausnahmen belegen die Krankenkassen ganz gezielt diejenigen Einrichtungen, die mit ihren Billigangeboten unmöglich in der Lage sind,  qualitativ zufriedenstellende Leistungen zu erbringen.

Wenn nicht die Qualität sondern nur der Preis das Kriterium für die Belegung ist, werden nicht nur die Einrichtungen bestraft, die personell und strukturell  gut aufgestellt sind und im QS-Reha®-Verfahren mit sehr guten Noten glänzen. Unter dieser überholten „Geiz ist geil“-Mentalität leiden auch die Versicherten, die viel zu oft vom Wunsch- und Wahlrecht ferngehalten werden und sich mit den Billighäusern und zumeist mangelhaften Qualitätsergebnissen zufriedengeben müssen. Letztlich schaden die Kostenträger sich damit auch selbst, denn es ist ja nicht nur „rausgeschmissenes Geld“ sondern bedeutet auch, dass spezifische Gesundheitsrisiken und bestehende Erkrankungen bei psychosozialen Problemen von Familien und bei Partnerschafts- und Erziehungsproblemen nicht früh genug und nicht adäquat behandelt werden – das bedeutet höhere Folgekosten für später zwangläufig notwendig werdende ärztliche und therapeutische Behandlungen. Den Krankenkassen obliegt die Verantwortung, die Vergütung und Belegung so zu gestalten, dass auch in Zukunft Mütter/Väter und Kinder bedarfsgerecht versorgt werden. Sie müssen diese Verantwortung wahrnehmen!

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