Vergütung war zu niedrig
Ein aktuelles Wirtschaftsgutachten belegt, dass die deutschen Rehabilititationskliniken in den vergangenen drei Jahren deutlich unterfinanziert waren. Die Gutachter warnen daher, dass die medizinische Rehabilitation ihren gesellschaftlichen Anforderungen zukünftig nur dann gerecht werden kann, wenn die Vergütungssätze jetzt angemessen angepasst werden.
Erstellt wurde das Gutachten von der GEBERA – Gesellschaft für wirtschaftliche Beratungen mbH, Düsseldorf, im Auftrag der "Arbeitsgemeinschaft Medizinische Rehabilitation" (AG MedReha), der auch der BDPK angehört. Die AG MedReha ist ein Zusammenschluss der maßgeblichen, bundesweit tätigen Spitzenverbände der Leistungserbringer in der medizinischen Rehabilitation.
Die Gutachter haben beim Vergleich der tatsächlichen Kostensteigerungen mit den prognostizierten und realisierten Vergütungssatzhöhen allein in der Betrachtung der letzten drei Jahre eine erhebliche Unterfinanzierung festgestellt. Sie empfehlen deshalb, dass Kliniken, die in den letzten drei Jahren Vergütungssatzsteigerungen unter der durchschnittlichen Kostenanhebung von 3,65 Prozent realisiert haben, im Jahr 2010 mindestens eine Steigerungsrate von 3,65 Prozent verhandeln. Dies gelte insbesondere angesichts der zukünftigen gesellschaftlichen Aufgaben der Rehabilitation sowie vor dem Hintergrund der immer schwieriger werdenden
Situation auf dem Fachkräftemarkt.
Kostensteigerungen in allen Bereichen
Aus der konservativen Prognoserechnung der Gutachter ergibt sich für das Jahr 2010 ein Kostensteigerungs-Korridor von 1,11 bis 2,73 Prozent , wobei Zinsaufwendungen und Investitionen nicht berücksichtigt werden. Dabei wird angenommen, dass die für die vergangenen Jahre empfohlenen durchschnittlichen Vergütungssteigerungen bereits realisiert wurden. Insbesondere die minimale Steigerungsrate von 1,11 Prozent kann nur unter der Voraussetzung herangezogen werden, dass in der Vergangenheit deutliche Personalkostensteigerungen realisiert wurden. Die verstärkt notwendigen Investitionen müssen einrichtungsindividuell und zusätzlich in die Vergütungssatzkalkulation einfließen.
Die dargestellten Entwicklungen betreffen nur exogene Faktoren, also solche, auf die die Rehabilitationseinrichtungen selbst keinen direkten Einfluss haben. Die Ergebnisse der Prognoserechnung zeigen, dass die Rehabilitationseinrichtungen künftig weiterhin in allen wichtigen Bereichen mit Kostensteigerungen rechnen müssen. Allerdings basieren die Ergebnisse des aktuellen Gutachtens auf einer "konservativen Betrachtung" in einer wirtschaftlich sehr turbulenten Zeit, so dass die Prognosen mit extrem vielen Unsicherheiten bezüglich der zukünftigen Preisentwicklungen, der Entwicklungen der Personalkosten sowie Sozialausgaben einhergehen. Die dargestellten Vergütungssatzsteigerungen der Jahre 2010 bis 2013 bilden daher tendenziell eine Untergrenze. Dies sollte nach Einschätzung der Gutachter bei bevorstehenden Verhandlungen ausreichend berücksichtigt werden.
Im Abschnitt „Aktualisierte Modellrechnung“ haben die Gutachter die Veränderungsraten der einzelnen Gewinn- und Verlustrechnungs(GuV)-Positionen für die Jahre 2010-2013 detailliert aufgelistet. Somit ist es auch für Kliniken mit einer abweichenden Musterverteilung der GuV-Positionen möglich, ihre individuellen Steigerungsraten zu berechnen.
Das Gutachten wird allen Rehabilitationsträgern zur Verfügung gestellt. Wie in den letzten Jahren werden Vertreter der AG MedReha und der GEBERA das aktualisierte Gutachten der DRV Bund im November persönlich vorstellen.

