Trügerische Erholung?
Das Rheinisch-Wesfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), Essen, hat seinen "Reha-Rating Report 2009" vorgelegt, in dem die Ergebnisse einer umfassenden Analyse des Reha-Marktes zusammengefasst sind. Dem Report zufolge ist aufgrund der gestiegenen Auslastungen der Kliniken die Insolvenzgefahr insgesamt leicht gesunken. Ab 2010 dürften jedoch hohe Tarifabschlüsse, die Folgen der Finanzkrise und der Gesundheitsfonds dazu führen, dass sich die Lage wieder verschlechtern wird. Langfristig sollte die demographische Entwicklung wieder zu einer Verbesserung führen, so die RWI-Prognose.
Mit dem Reha Rating Report 2009, den das RWI Essen gemeinsam mit der
Healthcare-Unternehmensberatung ADMED GmbH und dem Institute for Health
Care Business GmbH (HCB) erstellt hat, liegt der zweite Report für die
deutschen Reha-Einrichtungen vor. Ziel ist die Erhöhung der Transparenz
über den Rehabilitations- und Vorsorgemarkt durch eine strukturierte
Aufbereitung der Daten und Bereitstellung von Analysen zu wichtigen
Fragestellungen. Neben den Daten des Statistischen Bundesamts zu allen
deutschen Reha- und Vorsorge-Kliniken wurden zusätzlich 100
Jahresabschlüsse, die insgesamt 172 Einrichtungen umfassen, analysiert.
Der "Reha Rating Report 2009" kommt zu folgenden Ergebnissen:
Rund
ein Fünftel bis ein Sechstel der deutschen Reha-Einrichtungen dürften
sich 2007 und 2008 in erhöhter Insolvenzgefahr befinden, mehr als die
Hälfte existieren ohne größere wirtschaftliche Probleme, der Rest liegt
dazwischen. Damit hat sich die Lage der Reha-Kliniken gegenüber dem
Rating Report 2007 verbessert. Datengrundlage sind Bilanzen von
Reha-Kliniken aus 2006, die auf 2007 und 2008 hochgerechnet wurden.
Statistisch signifikante Unterschiede der Insolvenzgefahr hinsichtlich
Trägerschaft, städtische/ländliche Lage, Ost- und West-, Nord- und
Süddeutschland, Ketten und Einzelkliniken gibt es nicht.
Je nach
Trägerschaft zeigen sich allerdings Unterschiede in der Auslastung. So
waren Reha-Kliniken in privater Trägerschaft im Jahr 2006 mit 71,3%
deutlich geringer ausgelastet als solche in öffentlich-rechtlicher
Trägerschaft mit 87%. Die höchste Auslastung konnten die Kliniken der
Deutschen Rentenversicherung (DRV) mit durchschnittlich 93,3%
verbuchen. Hoch ist auch die Mobilität der Reha-Patienten. Im
Durchschnitt lassen sich nur 17% von ihnen in der eigenen Region
behandeln, 30% in einer Nachbarregion und mehr als die Hälfte in einer
weiter entfernten Klinik.
Die Zahl der stationären Reha- und
Vorsorge-Einrichtungen ist seit langem rückläufig. In den Jahren 1997
bis 2006 sank sie um 9,5% auf 1.255 Kliniken, während die Verweildauer
im gleichen Zeitraum um 6% sank. Gleichzeitig stieg die Zahl der Fälle
um 17% auf 1,8 Millionen, die der Belegungstage um 10%. Das größte
Wachstum konnten die Psychiatrie mit einem Plus von 75% und die
Neurologie mit einem Plus von 70% verbuchen.
Einigen
Reha-Kliniken dürfte es nach Einschätzung der Wissenschaftler schwer
fallen, sich in den nächsten zehn Jahren am Markt zu behaupten. Sie
erwarten daher, dass die Kettenbildung sowohl innerhalb des
Reha-Sektors als auch sektorübergreifend weiter voranschreiten wird.
Gleichzeitig dürften einige Kliniken schließen. Dies führt aus
ökonomischer Sicht dazu, dass die knappen Ressourcen produktiver
genutzt würden und die verbleibenden Reha-Kliniken ihre Auslastung
beträchtlich steigern könnten.
Der Reha Rating Report macht deutlich, dass entscheidende Faktoren für die wirtschaftliche Situation der Rehabilitationskliniken die Steuerung der Rehabilitationsträger sowie die politischen Rahmenbedingungen sind. Entsprechend der Beschlusslage im Fachausschuss Rehabilitation wird der BDPK sich weiterhin für eine Verbesserung der Vergütungssituation und Veränderung der Rahmenbedingungen einsetzen.
Die komplette Studie kann für
190 Euro inkl. MwSt. und Versand beim RWI Essen, der ADMED GmbH oder
der HCB GmbH bestellt werden (->weiter).
Eine Zusammenfassung der Studie können Sie hier herunterladen.


