Meinung

Bublitz_web

Die Diskussion um die generalistische Pflegeausbildung hat nach Auffassung von Gernot Kiefer, Vorstandsmitglied des GKV Spitzenverbandes, "inzwischen Züge eines Glaubenskriegs angenommen". Er führt in einem viel beachteten Interview in der Berliner Zeitung Anfang des neuen Jahres zu Recht aus, "dass wir ja gar nicht wissen, welche Ausbildungsform die bessere ist.

Wir sollten daher den Test in der Wirklichkeit machen und eine Zeit lang mehrere Ausbildungswege zulassen. Der Weg, der für die Auszubildenden und die Pflegeeinrichtungen geeigneter ist, wird sich am Ende durchsetzen. Mit diesem Vorschlag könnte man in der Sache etwas bewegen, ohne sich weiterhin rituell zu verbeißen.“

Die in der Unionsfraktion für Pflege bzw. Pflegeberufe zuständigen Erwin Rüddel und Erich Irlstorfer begrüßen diesen Vorschlag. Karl Lauterbach lehnt ihn für die SPD-Fraktion ab. Er beharrt auf der generalistischen Ausbildung – wie im Gesetzentwurf vorgesehen. Die aktuellen politischen Diskussionen verkürzten die grundlegende Reform der Pflegeberufe auf die Generalistik und verkennten das Innovationspotenzial des Gesetzentwurfs.

Diese bedachten Worte von Herrn Kiefer zeigen das Dilemma mit der Reform des Pflegeberufegesetzes. Die Vorteile der Generalistik sollen eine bessere Durchlässigkeit von der Altenpflege in die Krankenpflege, ein europarechtskonformer Berufsabschluss und ein besseres Image des Pflegeberufs bei den jungen Menschen sein. Sicher gibt es noch viele weitere Vorteile, die dringend hier hätten genannt werden müssen.

Mich bewegen in der Diskussion aber andere Fragen: Wie qualifiziert sind die Pflegefachkräfte am Ende einer generalistischen Ausbildung für ihre Aufgaben und besonderen Herausforderungen in Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken? Kranke Menschen im Krankenhaus haben sicher andere pflegerische Bedarfe wie überwiegend ältere Menschen, die im Pflegeheim leben. Wird die Reform der Pflegeberufe auch den Patientenbedürfnissen gerecht? Und ich frage mich auch, wie die Reform die sich verändernde Patientenversorgung in den Kliniken berücksichtigen kann. Werden wir nicht im Zuge einer stetig steigenden Zahl älterer Patienten, eines beschleunigten medizinischen Fortschritts und des schon jetzt erkennbaren Fachkräftemangels über neue Formen der Zusammenarbeit in der Patientenversorgung nachdenken müssen? Eine echte Reform wäre es, wenn es uns gelänge, zusätzlich das Thema der Substitution ärztlicher Tätigkeiten weiterzuentwickeln. Auch die berufsrechtliche Verankerung neuer Berufsbilder, wie Operationstechnische oder Chirurgische Assistenten und Anästhesieassistenten, die in vielen Krankenhäusern heute nicht mehr wegzudenken sind, sollte endlich gesetzlich geregelt werden.

Nachdem sich auch die Bundesregierung nicht auf eine Linie der geplanten Reform zur Pflegeausbildung einigen kann, soll nun der Koalitionsausschuss von Union und SPD über das Schicksal des Gesetzesvorhabens befinden. Eine Verabschiedung noch im April dieses Jahres wird angestrebt. Natürlich will und kann ich keinem der Beteiligten die Absicht zu einem Schnellschuss in Sachen Reform unterstellen. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass eine echte Reform wichtiger wäre als die umstrittene Verabschiedung fristgerecht in dieser Legislaturperiode.

Ihr Thomas Bublitz

Unsere Partner