Übergangsregelung Personalvorgaben

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Eine Studie des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) zeigt die massiven Schwierigkeiten, auf die Perinatalzentren bei der Erfüllung der geforderten Personalvorgaben stoßen. Der G-BA hat kurz vor Ablauf der Frist eine neue Übergangsregelung beschlossen.

An der zweiteiligen Befragung zur pflegerischen Strukturqualität in Perinatalzentren haben sich bundesweit 143 Perinatalzentren und 36 Weiterbildungsstätten für die pädiatrische Intensivpflege beteiligt. Laut dieser Befragung können nur etwa die Hälfte der Perinatalzentren  aktuell die in der Qualitätssicherungsrichtlinie Früh und Reifegeborene (QFRRL) geforderten Personalschlüssel erfüllen.

Um die Vorgaben der Richtlinie erfüllen zu können, ist von einem personellen und finanziellen Mehrbedarf von bis zu 1.750 Vollkräften oder von bis zu 95 Millionen Euro auszugehen. Bei einer Umsetzung zum 1. Januar 2017 wären viele Perinatalzentren demnach gezwungen gewesen, sich von der Versorgung abzumelden, um nicht gegen die Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) zu verstoßen. Das hätte fatale Folgen für die flächendeckende Versorgung nach sich gezogen.

Nachdem die Krankenhäuser vehement auf die drohende Versorgungsnotlage aufmerksam gemacht hatten, hat der GBA Mitte Dezember, kurz vor Ablauf der ersten Übergangsfrist zum 1. Januar 2017, eine neue Übergangsregelung zur Erfüllung der verpflichtenden Personalanforderungen an die Intensivpflege in Perinatalzentren beschlossen. Die neue Übergangsregelung ist jedoch an strenge Bedingungen für das einzelne Perinatalzentrum geknüpft und kann längstens bis zum 31. Dezember 2019 in Anspruch genommen werden.

Die folgenden in der QFRRL festgelegten Kriterien sind grundsätzlich ab 1. Januar 2017 einzuhalten:

  • 1:1-Betreuung (Kinderkrankenpfleger: intensivtherapiepflichtiges Frühgeborenes mit Geburtsgewicht < 1.500 Gramm) auf neonatologischen Intensivstationen
  • 1:2-Betreuung bei der Intensivüberwachung,
  • 40 Prozent (in Level 1-Zentren) beziehungsweise 30 Prozent (in Level 2-Zentren) der Kinderkrankenpfleger müssen außerdem eine Fachweiterbildung im Bereich „Pädiatrische Intensivpflege“ abgeschlossen haben.


Möchten Perinatalzentren von der Übergangsfrist Gebrauch machen, müssen sie eine konkrete Zielvereinbarung auf Landesebene abschließen, in der festgelegt ist, welche Maßnahmen zur Erfüllung der Personalvorgaben konkret ergriffen werden.

Für die Sicherstellung der neonatologischen Versorgung war die neue Übergangsregelung wichtig und gut. Das grundsätzliche Problem bleibt jedoch bestehen: Auf Grundlage der QFRRichtlinie soll mit unflexiblen, nicht evidenzbasierten Personalvorgaben die Versorgung von Frühgeborenen gesichert werden. Personalvorgaben gewährleisten jedoch nicht zwangsläufig eine Verbesserung der Versorgungsqualität. Stattdessen müssen vor Ort Impulse zu mehr medizintherapeutischen und organisatorischen Innovationen und einem stärkeren Qualitätswettbewerb gesetzt werden. Die Qualität des Behandlungsergebnisses zu messen ist sinnvoller, als Köpfe zu zählen. Der BDPK engagiert sich in diesem Sinne weiterhin für die Entwicklung aussagekräftiger und valider Qualitätsindikatoren.

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